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Der Perspektivwechsel am Morgen: Münchner Sicherheitskonferenz
Der Perspektivwechsel am Morgen: Münchner Sicherheitskonferenz
(Foto: Olaf Kosinsky | Wikimedia Commons | CC BY-SA 3.0 DE )

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.
Heute:  Minderheitenmeinung vs. Dominante Meinung

 

Guten Morgen,

gestern war der letzte Tag der 54. Münchner Sicherheitskonferenz, die unter dem Motto „Hin zum Abgrund – und zurück?“ stattgefunden hat. Die vergangenen drei Tage über kamen im Münchner Hotel Bayerischer Hof rund 500 Politiker und Experten zusammen,  darunter Außenminister Sigmar Gabriel, sein russischer Kollege Sergei Lawrow und Israels Premierminister Benjamin Netanjahu. Drei Tage, um über die ganz großen Konflikte der Welt zu streiten, zu diskutieren und Lösungen zu finden. Die Ergebnisse seien aber wohl dieses Jahr sehr ernüchternd gewesen, wie deutsche Medien berichten.

Besonders kritisch ist Christoph von Marschall: „Die Bilanz der Sicherheitskonferenz ist niederdrückend. Die Weltlage ist bedrohlich, Europa schwach.” Auf die vom Westen dominierte Ordnung, die dem Globus über Jahrzehnte Stabilität gegeben habe, könne man sich nun nicht mehr verlassen. „Wer ist das überhaupt noch: „der Westen“?” – fragt der Journalist in seinem Kommentar im TAGESSPIEGEL. SPIEGEL ONLINE redet über drei Tage maximaler Verunsicherung. Dieses Jahr gerate das Treffen zum düsteren Gradmesser, wie verfahren die Krisen und wie sprachlos die Akteure seien. Auch Horst Teltschik, selbst langjähriger Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz und enger Berater Helmut Kohls, malt ein finsteres Bild: Bei der Konferenz habe man viel zu sehr über Aufrüstung und Modernisierung von Waffensystemen gesprochen. Echter Dialog habe kaum stattgefunden: „Es ist zu wenig darüber gesprochen worden, was eigentlich die diplomatischen Möglichkeiten sind. Die Frage, ob man nicht die OSZE wiederbeleben sollte als Möglichkeit, einen Dialogprozess in Gang zu springen, spielte keine Rolle.

Bei all den negativen Kommentaren geht allerdings unter, dass zahlreiche inoffizielle Begegnungen am Rande der Konferenz konstruktiver verlaufen sein sollen, als das, was auf offener Bühne stattfand. Zum Beispiel hat das WALL STREET JOURNAL von einem Treffen europäischer Politiker mit einem iranischen Chefdiplomaten berichtet, bei dem es um die Eindämmung der iranischen Aktivitäten in der Nahost-Region ging.

Besonders empfehlen möchten wir in diesem Zusammenhang einen Beitrag von Bettina Klein, Korrespondentin beim DEUTSCHLANDRADIO, die abseits der vielen negativen Kommentare äußerst konstruktiv bleibt: Bei allen ihren Schwächen sei die Münchner Sicherheitskonferenz eine Aufforderung an alle Akteure, die Nabelschau zu beenden und die eigene Rolle in der Welt zu überdenken. Europa wie auch Deutschland haben diese Erinnerung weiter nötig. Deshalb sei die Konferenz durchaus begrüßenswert.

Hier entlang zum Originalartikel.

 

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. Wenn Sie tiefer einsteigen möchten, lohnt sich ein Blick in unsere ausführlichen Debattenübersichten.

Wer steckt dahinter?

Olga Osintseva
Kommt aus:Russland
Politische Position:Bezeichnet sich selbst als mitte-links
Arbeitet für/als:Arbeitet als Redakteurin bei The Buzzard und als Event- und Community-Managerin beim Strascheg Center For Enterpreneurship in München
Was Sie noch wissen sollten:Osintseva hat 2015 ihren Master in Politikwissenschaft an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg abgeschlossen. Sie kommt aus Russland und lebt mittlerweile seit vier Jahren in Deutschland.
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