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Der Perspektivwechsel am Morgen: Nach der Freilassung Yücels
Der Perspektivwechsel am Morgen: Nach der Freilassung Yücels

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.
Heute: Regierung vs. Medien

 

Guten Morgen,

nachdem gestern Vormittag die WELT ankündigte, dass ihr Korrespondent, der deutsch-türkische Journalist Deniz Yücel, nach einem Jahr aus der Untersuchungshaft in der Türkei freikommen werde, war in deutschen Medienhäusern nicht nur die Freude, sondern auch die Überraschung groß. Nach dem Treffen von Angela Merkel mit dem türkischen Ministerpräsident Yildirim am Donnerstag hatte damit so schnell niemand gerechnet.

Bei aller Freude über die Freilassung des Kollegen stellten sich die Journalisten schnell die Frage, welcher „Deal“ mit der türkischen Regierung zu diesem plötzlichen Sinneswandel geführt haben könnte. Das Dementi eines wie auch immer gearteten Kuhhandels seitens des Auswärtigen Amtes ließ denn auch nicht lange auf sich warten, wird derlei Spekulationen aber kaum verstummen lassen.

Doch auch unabhängig von diesem Beigeschmack würde wohl keiner der Beobachter behaupten, es herrsche nun wieder eitel Sonnenschein zwischen Berlin und Ankara. So mischte sich in die Reaktionen auf Twitter auch sofort die Forderung, nicht die anderen Inhaftierten in der Türkei – darunter dutzende türkische Journalisten – zu vergessen. Der Tenor: Man dürfe sich durch die Freilassung Yücels weder blenden lassen, noch den kritischen Blick abwenden. Auch Yücel selbst, der noch gestern Abend in Berlin-Tegel landete, erinnerte an die vielen noch in der Türkei inhaftierten Journalisten.

„Freigelassene Geiseln machen noch keinen Frühling“, mahnt FAZ-Mitherausgeber Berhold Kohler. „Die Bundesregierung sollte sich nicht der Illusion hingeben, dass mit der Freilassung Yücels Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in der Türkei wiederhergestellt wären“, schreibt auch Maximilian Popp auf Spiegel Online. Dies zeigte sich unter anderem, indem ausgerechnet am Tag der Freilassung Yücels drei türkische Journalisten zu lebenslanger Haft verurteilt wurden.

Dass diese Probleme hinsichtlich Demokratie und Meinungsfreiheit aber nicht erst in den letzten drei oder vier Jahren – oder gar erstmals durch den Fall Yücel – offenbar geworden wären, illustriert der türkischstämmige Schriftsteller Dogan Akhanli, der 2017 auf Betreiben der Türkei in Spanien festgenommen worden war, mit einer spannenden eigenen Perspektive: In einem Interview in der neu erschienenen Ausgabe von iz3w (informationszentrum 3. welt) schildert er seine Erfahrungen mit Repressionen durch den türkischen Staat, die bis in die 70er Jahre zurückreichen.

Hier entlang zum Originalartikel.

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. Wenn Sie tiefer einsteigen möchten, schauen Sie sich unsere beiden Meinungsdebatten zum Thema „Türkei“ an.

Wer steckt dahinter?

Frank Kaltofen
Kommt aus:Immer Thüringer gewesen, jetzt in Leipzig
Arbeitet für/als:Redakteur in verschiedenen Kontexten
Was Sie noch wissen sollten:Studierter Politikwissenschaftler und jetzt Schreiberling. Interessiert an Menschen und ihren Geschichten. Schreibt seit 2007, am liebsten über Kulturelles & Zeitgeschichtliches.
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