Zurück zur Übersicht
Wie informieren sich erfolgreiche Journalisten am Morgen?
Wie informieren sich erfolgreiche Journalisten am Morgen?

Ein Dutzend Newsletter, SZ, FAZ, NYT… – so sieht die Morgenlektüre von ZEIT ONLINE-Chefredakteur Jochen Wegner aus. Zig Quellen zu lesen ist für ihn Pflicht, um bestens Bescheid zu wissen. Journalist und Blogger Richard Gutjahr hingegen verlässt sich ganz auf Twitter.

Wer gut informiert in den Tag starten möchte, steht erst einmal vor einem Problem: Es gibt so viele Möglichkeiten, dass es nicht leicht ist, eine Auswahl zu treffen. Die Medien sollen mich mit den wichtigsten Nachrichten versorgen. Gleichzeitig möchte ich mich in den Bereichen informieren, die mich besonders interessieren. Vielleicht möchte ich auch wissen, welche Artikel meine Freunde und Bekannten geteilt haben. Und das alles in dem kurzen Zeitraum zwischen Aufstehen und zur Arbeit gehen.

Um eine Orientierung zu geben, haben wir die gefragt, die es wissen müssen: Erfolgreiche Journalisten. Darunter Zeit Online-Chefredakteur Jochen Wegner, den Journalisten des Jahres Markus Feldenkirchen und den Journalisten und Blogger Richard Gutjahr. Ihre Antworten helfen dabei, sich Schritt für Schritt ein eigenes Medienmenü nach den persönlichen Präferenzen zusammenzustellen. Außerdem haben wir gefragt welche Tools die Journalisten nutzen. Weitere Infos dazu gibt es in den Kästen.

 

Andreas Bachmann – Redaktionsleiter von BR Kontrovers

„Ich möchte meinen Kindern ein Vorbild sein. Deshalb versuche ich, den Griff zum Handy morgens zu vermeiden. Meine tägliche Dosis Information konsumiere ich erst im Auto auf dem Weg ins Büro. Konkret heißt das: Ich höre B5aktuell. Zugegeben: Morgens aufs Handy zu verzichten, gelingt nicht immer. Wenn zum Beispiel bis tief in der Nacht in Berlin sondiert wird oder Donald Trump eine Rede hält, schaue ich vor der Autofahrt auf Twitter, um einen ersten Überblick zu bekommen.

Wenn ich im Urlaub bin, informiere ich mich – sehr reduziert – über die sozialen Netzwerke und die Online-Angebote der einschlägigen Medien (Bayerischer Rundfunk, Tagesschau, Spiegel, Süddeutsche Zeitung, etc.)“

Tools: Tweetdeck, Google Alerts

 

Jochen Wegner – Chefredakteur von Zeit Online

„Morgens um 6 Uhr fange ich an, mich zu informieren. Dann sehe ich mir die Push-Nachrichten auf meinem Handy und meine Twitter-Timeline an. Dazu ein Dutzend Newsletter und ein Dutzend deutschsprachige und internationale Homepages, die digitalen Ausgaben der Süddeutschen Zeitung, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der Washington Post und der New York Times, außerdem je nach Wochentag den Spiegel, den Economist oder die Zeit. Zusätzlich lese ich das, was mir die App Nuzzel empfiehlt.“

Tools: Nuzzel, Tweetdeck, Feedly

 

Frederik Fischer – Chefredakteur der Journalismus-Plattform Piqd und Mitherausgeber von Vocer, einem Think Tank zur Medienkritik

„Ich stehe spätestens um 7 Uhr auf und greife noch vor dem ersten Kaffee (beziehungsweise Tee, ich bin gerade umgestiegen) zum Handy. Dort nutze ich die App Nuzzel, um mir einen Überblick über die Nachrichten zu verschaffen, die in meinem Netzwerk besonders häufig geteilt wurden. Im weiteren Tagesverlauf konsumiere ich eigentlich nur noch Piqd. Mir entgehen so zwar häufig „breaking news“, aber das stört mich nicht. Ich warte lieber ein bisschen und lese mir dann den einen Text ausführlich durch, der von unseren Piqern empfohlen wird. Nach Möglichkeit lese ich zusätzlich einige Nischen-Newsletter: unter anderem Finimize, Social Media Watchblog, Correctiv Spotlight und Hot Pod.“

Tools: Nuzzel, Piqd

 

Empfehlenswerte Newsletter:

Finimize: englischsprachiger Newsletter zum Thema Finanzen im Alltagsleben, auf der Webseite schreibt das Team: „There’s an elephant in the room that finally needs to be addressed: we’re quietly struggling with financial literacy.“

Social Media Watchblog: ein Newsletter, um Social Media besser zu verstehen

Correctiv Spotlight: wöchentlicher Newsletter mit den besten investigativen Geschichten der vergangenen Woche, zusammengestellt von dem gemeinnützigen Recherchezentrum Correctiv

Hot Pod: ein Newsletter über Podcasts

 

Manfred Sauerer – Chefredakteur der Mittelbayerischen Zeitung

„Ich höre ab ca. 6.45 Uhr Bayern 2. Die Sendung Radiowelt gibt einen sehr gut gemachten Überblick über die aktuellen Themen. Gleichzeitig schaue ich auf unsere eigene Webseite Mittelbayerische.de und informiere mich über Twitter, wo ich mehreren Medienangeboten (Süddeutsche Zeitung, Guardian, Zeit, Time) folge. Im Urlaub informiere ich mich über diverse E-Paper-Angebote und Webseiten, unsere eigene und überregionale.“

 

Markus Feldenkirchen – Autor beim Magazin „Der Spiegel“

„Wenn ich aufstehe, höre ich Radio: meist Radio Eins und manchmal Deutschlandfunk. Die Süddeutsche Zeitung und die Frankfurter Allgemeine Zeitung lese ich mit meinem Abo meist schon am frühen Abend online.“

 

Franziska Bluhm – selbstständige Beraterin für Digitalisierung, Journalistin, Bloggerin

„Nach dem Aufstehen schaue ich erst einmal auf mein Smartphone. Gab es Eilmeldungen? Was haben meine abonnierten Dienste (Handelsblatt, Resi, Spiegel Online, t3n) in der Nacht gepusht? Danach werfe ich einen kurzen Blick auf Twitter und Facebook. Später im Auto höre ich auch mal Radio – meist einen Sender mit hohem Wortanteil.

Erst wenn ich am Rechner sitze, gehe ich tiefer in ein paar Themen rein. Dann klicke ich auf Links, die ich mir bei Twitter oder Facebook gebookmarkt habe oder surfe auch mal bei einem Nachrichtenmedium vorbei. Auch meist morgens lese ich ein paar Newsletter: Morning Briefing des Handelsblatts, Finanz-szene.de, turi2, Social Media Watchblog, Tagesspiegel Morgenlage, aber auch unregelmäßigere wie OMR, Russball, Johannes Klingebiel, Email für Dich von Sue Reindke, etc.“

Tools: Feedly, Tweetdeck, Nachrichtenapps

 

Empfehlenswerte Newsletter:

Finanz-szene.de: Newsletter mit Nachrichten zur deutschen Banken- und Fintech-Branche

turi2: Newsletter über die Medien- und Marketing-Branche

Handelsblatt Morning Briefing: tagesaktueller Newsletter mit Infos zum wirtschaftspolitischen Geschehen

Tagesspiegel Morgenlage: tagesaktueller Newsletter mit einer Nachrichten- und Presseschau entweder mit Politik- oder mit Wirtschaftsschwerpunkt

OMR: Newsletter mit Infos rund ums Online-Marketing

Russball: Newsletter über Themen rund um Russland und den Fußball

Johannes Klingebiel: Newsletter rund um Technologie, Internet und Publishing

Email für Dich: E-Mails der Autorin Sue Reindke über Dinge, mit denen sie sich momentan beschäftigt

 

David Schraven – Gründer des Recherchezentrums Correctiv

„Ich lese nach dem Aufstehen auf dem Handy die New York Times und die Washington Post. Danach schaue ich Spiegel Online und Zeit an. Wenn ich das Frühstück mache, höre ich Lokalradio. Beim Frühstück lese ich die regionale Tageszeitung und vor allem den Lokalteil. Danach stöbere ich auf Facebook (in lokalen Gruppen) und auf Twitter herum. Im Zug lese ich die Süddeutsche Zeitung und die Bild. Wenn ich zwischendurch Zeit habe, schaue ich Blogs wie Ruhrbarone an. Netzpolitik und andere Medien, wie De Correspondent oder Republik lese ich normalerweise über Social Media.“

 

Richard Gutjahr – Journalist und Blogger

„Mein Info-Tag beginnt morgens im Bett mit einem Blick auf Twitter. Dort scrolle ich etwa zehn Twitter-Minuten zurück. Was dort nicht auftaucht, war nicht wichtig genug, um in Panik zu verfallen. Die Medien selbst variieren. Wenn etwas relevant ist, erfahre ich es hier.

Im Urlaub informiere ich mich unterschiedlich, je nach WLAN-Netzstärke und Nachrichtenlage. Wenn nichts los ist, reichen mir die Newsletter in meinem Mail-Eingang.“

Tools: Tweetdeck (stationär), Tweetbot (mobil), Pocket

 

Lina Timm – Program Managerin des Media Labs Bayern, ein Förderzentrum für digitale Journalismus- und Medienprojekte

„Mein Handy weckt mich. Also greife ich noch im Bett schlaftrunken zum Display und lese mit einem halb offenen Auge die Notifications, die über Nacht und morgens auf meinem Lockscreen aufgetaucht sind. Dann ist das nächste meist der Whatsapp Newsletter von der Süddeutschen Zeitung, überregional und lokal.

Seit einiger Zeit gebe ich mir viel Mühe, das Handy im Urlaub wegzulegen. Aktuelle Sachen lese ich also kaum, eher die langen Hintergrundgeschichten, die sich in meiner Pocket-App angesammelt haben oder mir bei Facebook über den Weg laufen. Außerdem lese ich dann gerne auch mal ein gedrucktes Magazin. Ich habe vor kurzem die „ma vie“ entdeckt und sogar abonniert. Ein tolles Magazin zum Runterkommen.“

Tools: Tweetbot auf dem Handy, Tweetdeck auf dem Desktop, für Podcasts: die iTunes App, Overcast oder Castro, Pocket

 

Empfehlenswerte Tools:

Nuzzel: Die App durchsucht alle Inhalte der Accounts, denen man in den verknüpften sozialen Netzwerken folgt, und rankt die Links nach der Häufigkeit der Quellen. So kann man direkt die Artikel lesen, die im eigenen Netzwerk besonders häufig geteilt wurden.

Tweetdeck: Mithilfe der Plattform Tweetdeck kann man den Newsfeed aufspalten. Tweetdeck ist eine Anwendung, die auf das Twitter-Konto zugreift. Man kann sich hier unterschiedliche Listen anlegen und ihnen Konten zuordnen.

Tweetbot: Auch Tweetbot greift auf das Twitter-Konto zu. Die App gibt es für Apple-Geräte und sie ermöglicht es, Listen anzulegen und Statistiken anzuzeigen.

Google Alerts: Bei Google lassen sich Begriffe auswählen, für die man Alerts bekommt. Erscheint eine neue Webseite oder ein neuer Beitrag zu dem Begriff, schickt Google eine E-Mail.

Feedly: Über einen RSS-Feed kann man sich sein eigenes Medien-Menü zusammenstellen. Feedly ist einer von vielen Anbietern, die das ermöglichen, genauso wie Digg oder Newsblur.

Piqd: Auf Piqd empfehlen Kuratoren täglich ausgewählte Artikel, Interviews, Reportagen und mehr. Die Beiträge heißen Piqs, die Kuratoren Piqer.

Pocket: Bei Pocket kann man Links zu Artikeln speichern, um sie später zu lesen. Es gibt auch eine Pocket-App, es ist also möglich, Links auf dem Smartphone zu speichern und später am Desktop zu lesen.

Overcast: Genau wie Castro oder die iTunes-App bietet Overcast eine Möglichkeit, Podcasts zu speichern und zu hören.

Resi: Nachrichtenapp, die Nachrichten im Chat-Format schickt (die „persönliche News-Assistentin“, heißt es auf der Webseite)

Wer steckt dahinter?

Katharina Mau
Kommt aus:München
Politische Position:interessiert sich für nachhaltigeres Wirtschaften und den ökologischen Fußabdruck
Arbeitet für/als:Freie Journalistin
Was Sie noch wissen sollten:Katharina dachte lange, sie sei zu introvertiert, um Journalistin zu werden. Inzwischen lernt sie an der Deutschen Journalistenschule und schreibt unter anderem für Jetzt.de, die dpa und Orange, das Jugendformat des Handelsblatts. Sie verzichtet auf Plastiktüten und kauft Bio-Käse, isst aber manchmal Avocados aus Chile.
Lies The Buzzard ab sofort in deinem E-Mail Postfach. Nein danke

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.