Zurück zu allen Tagesempfehlungen
Der Perspektivwechsel am Morgen: Kommt der kostenlose ÖPNV?
Der Perspektivwechsel am Morgen: Kommt der kostenlose ÖPNV?

Der tägliche Blicke über den Tellerrand mit The Buzzard.

Heute: Regierung vs. Medien

 

Guten Morgen,

der Bundesregierung droht eine Strafe der EU-Kommission, da in Deutschland die gesamteuropäisch vereinbarten Grenzwerte für die Schadstoffbelastung in den vergangenen Jahren nicht eingehalten wurden. Die Maßnahmen für eine geringere Stickoxid-Konzentration müssen daher ausgeweitet werden. Das Ziel: Sauberere Luft in den deutschen Innenstädten. Unter anderem soll dafür der öffentliche Nahverkehr künftig kostenlos zu nutzen sein. Das geht aus einem gemeinsamen Brief der zuständigen Ministerien an den EU-Umweltkommissar Karmenu Vella hervor. Hierdurch soll die Anzahl der privaten Fahrzeuge in den Innenstädten deutlich reduziert werden. Getestet werden sollen die aufgeführten Maßnahmen zunächst in Bonn, Essen, Herrenberg, Reutlingen und Mannheim.

Auf den ersten Blick erscheint dieser Vorschlag sinnvoll und unterstützenswert. Schließlich ginge damit nicht nur eine enorme finanzielle Entlastung der Bürger einher. Neben den bezweckten Auswirkungen auf die Umwelt hätte ein kostenfreier ÖPNV weitere positive Auswirkungen: Weniger PKW in den Städten, wodurch die Straßen länger halten und potenziell weniger Unfälle passieren. Hinzu kommt, dass die Kosten für Fahrkartenkontrolleure und kostspielige Strafverfahren gegen Schwarzfahrer wegfallen würden. Allerdings rief das Vorhaben der Bundesregierung bei Experten und Politikern sowie in zahlreichen Kommunen Skepsis und Ablehnung hervor. Insbesondere die Finanzierung ist unklar. Nach Angaben des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) finanzieren sich die Verkehrsbetriebe mit rund zwölf Milliarden Euro etwa zur Hälfte aus dem Ticketverkauf. Die andere Hälfte stammt schon heute weitgehend aus Steuermitteln. Die größte finanzielle Herausforderung ist damit jedoch nicht annähernd abgedeckt: Der notwendige Ausbau des ÖPNV. Einerseits um die enorme Mehrbelastung zu bewältigen sowie andererseits Bus und Bahn zu einer wirklichen Alternative zum Privatauto zu entwickeln.

Dieses Argument führt auch Nikolaus Doll in seinem Kommentar für die WELT an. Jetzt einfach die Schleusen zu öffnen und die Menschen durch Befreiung vom Fahrkartenkauf in den ÖPNV zu schleusen, würde nichts anderes als überfüllte Züge, Busse und Bahnsteige zur Folge haben. In der Folge würden noch mehr Pendler auf private Fortbewegungsmittel umsteigen. Die Wirkung wäre somit gleich null. Möglicherweise würde sogar das Gegenteil erzeugt.

Hier entlang zum Originalartikel.

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie Artikel, der zu einer tagespolitischen Angelegenheit eine alternative Sichtweise bietet. Ausführlicher befassen wir uns mit den Themen Klimawandel und Umweltpolitik in unserer aktuellen Wochendebatte.

Wer steckt dahinter?

Oliver Haupt
Kommt aus:Gebürtig aus Freiberg, lebt seit mehreren Jahren in Leipzig.
Politische Position:Mitte-links
Arbeitet für/als:Studiert Philosophie und Politikwissenschaft an der Universität Leipzig. Ist seit Oktober 2017 Redakteur bei The Buzzard.
Was Sie noch wissen sollten:Seine (wissenschaftlichen) Interessen liegen vor allem in der Politischen Philosophie, Ideengeschichte und Politischen Ökonomie. Insbesondere befasst er sich mit klassischer, als auch aktueller Kapitalismus- sowie Demokratiekritik und damit zusammenhängenden Disziplinen.
Lies The Buzzard ab sofort in deinem E-Mail Postfach. Nein danke

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.