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Die Debatte der Woche: Gefährdet strengere Umweltpolitik unseren Lebensstandard?
Die Debatte der Woche: Gefährdet strengere Umweltpolitik unseren Lebensstandard?

Die Umwelt ist in Gefahr und wir müssen sie schützen – die meisten würden zustimmen. Aber wieviel sind wir bereit zu geben? Und müssen wir uns überhaupt einschränken?

Wir leben über unsere Verhältnisse – wir als Menschheit und wir als Deutsche noch stärker. Denn die Weltbevölkerung verbraucht in einem Jahr mehr natürliche Ressourcen als die Erde im gleichen Zeitraum regenerieren kann. Momentan bräuchte die Erde etwa eineinhalb Jahre, um den Verbrauch eines Jahres zu decken. Würden alle Menschen so leben wie wir Deutschen, bräuchten wir die Ressourcen von zweieinhalb Erden. Hätten alle den Lebensstil der Nordamerikaner, wären es sogar fast fünf Erden.

Alles, was wir zusätzlich verbrauchen, speist sich aus Reserven, die endlich sind. Wenn wir die Erde schützen wollen, müssen wir den Ressourcenverbrauch zurückschrauben. Union und SPD haben sich in den Koalitionsverhandlungen darauf geeinigt, die Treibhausgase bis zum Jahr 2030 um 55 Prozent zu reduzieren. Damit das klappt, muss es Veränderungen geben. Die meisten Menschen wissen, dass das Klima und die Umwelt in Gefahr sind und wollen etwas dagegen tun. Dennoch wird es für viele schwierig, sobald sie das Gefühl bekommen, sie müssten auf etwas verzichten. Daher fragen wir in der neuen Debatte, ob sich das Erreichen der Klimaziele auf unser Alltagsleben auswirkt. Ist unser Lebensstandard gefährdet, wenn wir strengere Umweltpolitik machen?

Die Debatte der Woche: Gefährdet strengere Umweltpolitik unseren Lebensstandard?

Wenn Deutschland die Klimaziele erreichen möchte, muss sich einiges verändern. (Foto: Pixabay)

Die Antwort hängt auch mit einer Grundvorstellung davon zusammen, welche Schritte nötig sind, um die Erde zu schützen. Sieht man sich an, wie die Parteien zum Thema Umweltpolitik kommunizieren, stellt man fest, dass hinter dem Begriff ganz unterschiedliche Konzeptionen stecken. Grob gesagt: CDU/CSU und FDP möchten die Probleme durch neue moderne Technologien lösen. Die Grünen und die Linken möchten bestimmte Technologien, wie das Fracking, verbieten. Umwelt und Klimaschutz seien keine Gegensätze zu Wachstum und Wohlstand, schrieb die Union in ihrem Wahlprogramm. Die Grünen forderten den Ausstieg aus der derzeitigen Massentierhaltung und plädierten dafür, ab 2030 nur noch abgasfreie Autos zuzulassen.

Verzicht wird emotional diskutiert

Parteien des politisch linkeren Spektrums wagen es offenbar eher, etwas wegzunehmen, was Menschen als Teil ihres Lebensstandards betrachten. Das kann emotionale Reaktionen hervorrufen, wie zum Beispiel bei dem Vorschlag des Veggiedays. Im Wahlkampf zur Bundestagswahl 2013 forderten die Grünen einen vegetarischen Tag in den Großküchen der Kommunen und sorgten damit für Empörung. Wirtschaftsliberale Parteien sehen einen anderen Weg. Sie möchten die bisherige Lebensweise unangetastet lassen und setzen auf neue Technologien, die das ermöglichen sollen.

Ob das ausreicht, um irgendwann nur noch die Ressourcen einer Erde zu verbrauchen, kann momentan niemand sicher sagen. In unserer Debatte gibt es dazu verschiedene Positionen. Journalistin Henriette Jacobsen sagt: Wir werden gezwungen sein, uns anders zu ernähren, wenn wir die Klimaerwärmung stoppen wollen. Der Ökonom Jeremy Rifkin sieht die Lösung in neuen Technologien. Er glaubt, dass Deutschland an der Spitze einer dritten industriellen Revolution stehen könnte – von der sowohl die Gesellschaft als auch die Umwelt profitieren.

 

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Wer steckt dahinter?

Katharina Mau
Kommt aus:München
Politische Position:interessiert sich für nachhaltigeres Wirtschaften und den ökologischen Fußabdruck
Arbeitet für/als:Freie Journalistin
Was Sie noch wissen sollten:Katharina dachte lange, sie sei zu introvertiert, um Journalistin zu werden. Inzwischen lernt sie an der Deutschen Journalistenschule und schreibt unter anderem für Jetzt.de, die dpa und Orange, das Jugendformat des Handelsblatts. Sie verzichtet auf Plastiktüten und kauft Bio-Käse, isst aber manchmal Avocados aus Chile.
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