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So umgeht man seine Filterblase
Filterblase umgehen

Es gibt Möglichkeiten, die Filterblase und auch die Meinungsblase zu verlassen. Das ist aufwändig, aber es lohnt sich. Für mehr Meinungsvielfalt und ein offeneres Weltbild.

Wir sehen im Internet vor allem das, was wir häufig anklicken. Ohne es zu merken, sind wir in einer Meinungs- und Filterblase gefangen. Algorithmen bestimmen, was wir in unserem Facebook-Feed sehen oder welche Ergebnisse bei einer Google-Suche angezeigt werden. Meinungen, die unser Weltbild herausfordern könnten, bleiben schnell außen vor. Doch die Filterblase schnell und einfach zum Platzen zu bringen, ist nicht leicht – in diesem Artikel haben wir die besten Möglichkeiten zusammengetragen, die dabei helfen sollen.

Wer wissen möchte, wer den Begriff der Filterblase geprägt hat, und wie es in der rechten Filterblase auf Facebook zugeht, kommt hier zum ersten Teil des Artikels.

 

Die Filterblase verlassen: Personalisierung verhindern

Die Personalisierung im Internet wird immer stärker. Facebook und Google zum Beispiel schneiden den News Feed und die Suchergebnisse auf den Nutzer zu. Das ist einerseits gut, weil man eher die Inhalte angezeigt bekommt, die einem potentiell gefallen könnten. Es hat aber auch negative Folgen – andere Meinungen bleiben außen vor. Die Personalisierung zu verhindern ist schwierig, es gibt aber Möglichkeiten.

Um Daten der Nutzer zu sammeln, nutzen Unternehmen Tracker auf Webseiten. Sobald etwa ein Facebook-Like-Button auf einer Seite integriert ist, kann Facebook Informationen über den Nutzer abgreifen – auch wenn der gar nicht in dem Netzwerk eingeloggt ist oder auf den Button klickt.
 

Tracker blocken
1. Ghostery

Die Browser-Erweiterung Ghostery zeigt auf jeder Seite an, wie viele und welche Tracker verwendet werden. Nun kann man auswählen, ob Ghostery bestimmte Tracker auf der betreffenden Seite oder auf allen Seiten blockieren soll.

2. Duckduckgo

Ein ähnliches Angebot gibt es von Duckduckgo. Wenn man die Browser-Erweiterung installiert, blockt sie automatisch Tracker-Netzwerke auf den Seiten. Diese Netzwerke verwenden Unternehmen, um die Daten der Nutzer zu aggregieren und zu einem Daten-Profil zusammenzuführen.

Sowohl Ghostery als auch Duckduckgo kann man sich als App herunterladen, um auch auf dem Smartphone Tracker zu blockieren.
 

Alternative Suchmaschinen nutzen
1. Duckduckgo

Auch eine Suchmaschine gibt es von Duckduckgo. Der Anbieter sammelt nach eigenen Angaben keine Daten und zeichnet die Suchanfragen nicht auf. Bei der Browser-Erweiterung von Duckduckgo wird die Suchmaschine als Standard eingestellt. Wer eine andere Suchmaschine nutzen möchte, kann das in den Browser-Einstellungen ändern. Hier kommt man direkt zur Suchmaschine von Duckduckgo, ohne etwas zu installieren.

2. Startpage

Ein ähnliches Angebot gibt es von Startpage. Das Unternehmen speichert nach eigenen Angaben weder IP-Adressen noch verfolgt es das Suchverhalten.
 

Soziale Netzwerke ohne Personalisierung
1. Diaspora

Das Netzwerk ist dezentral organisiert. Die Daten werden also nicht auf riesigen Servern von einem Unternehmen gesammelt. Als Nutzer kann man selbst entscheiden, auf welchem lokalen Server, sogenannte Pods, man sich anmelden möchte. Wer sich auskennt, kann auch selbst einen Pod betreiben. Diaspora wirbt damit, dass die Daten Eigentum des Nutzers bleiben.

2. Friendica

Auch Friendica hat eine dezentralisierte Struktur. Der Nutzer soll hier ebenfalls die volle Kontrolle über seine Daten behalten.

Sowohl Diaspora als auch Friendica kann man mit anderen Netzwerken verbinden, sodass Posts auch dort veröffentlicht werden.
 

Problem Meinungsblase: Politische Quellen diversifizieren

Wir lesen gerne Texte, die unserer politischen Meinung entsprechen. Das ist menschlich. Wer sich ausschließlich auf diese Quellen verlässt, ist aber schnell in einer Meinungsblase gefangen. Sie aufzubrechen, erfordert Mut und Zeit. Wer sich diese zusätzliche Zeit nimmt, wird aber mit einer differenzierteren Haltung belohnt.

 

Facebook-Filterblase überwinden

Abgesehen von Posts von Freunden, sehen wir im Facebook-Feed die Beiträge der Seiten, denen wir folgen. Wer zum Beispiel wissen will, wie die AfD argumentiert, sollte der Parteiseite folgen. Der Jugendsender FUNK hat in seinem Format „Ungefiltert“ eine Reihe von Quellen aufgelistet und in vier politische Bereiche von „Rechts“ bis „Links“ eingeteilt. Hier kann man sich Facebook-Seiten abseits der eigenen politischen Einstellung suchen, um deren Inhalte im eigenen News-Feed zu sehen.

Da der Facebook-Algorithmus filtert, welche Beiträge wir in unserer Timeline sehen, reicht das möglicherweise noch nicht aus. Um die Filterblase zu umgehen, kann man bestimmte Seiten bevorzugen, um deren Inhalte nicht zu verpassen. Das funktioniert so: Auf die Seite gehen, auf das Dreieck auf dem „Abonniert-Button“ klicken, „Als erstes anzeigen“ wählen.

 

Twitter

Auch bei Twitter bestimmt man selbst, welche Inhalte überhaupt im News-Feed auftauchen können. Anders als bei Facebook kann man bei Twitter den Relevanz-Algorithmus abschalten. Dafür geht man zu „Einstellungen und Datenschutz“. Unter „Inhalt“ kann man bei „Timeline“ das Häkchen für „Die besten Tweets zuerst anzeigen“ entfernen.

Mithilfe der Plattform Tweetdeck kann man den Newsfeed aufspalten. Tweetdeck ist eine Anwendung, die auf das Twitter-Konto zugreift. Man kann sich hier unterschiedliche Listen anlegen und ihnen Konten zuordnen. Dadurch kann man in einer Liste alle Quellen aus einer politischen Richtung sammeln oder sich nur Beiträge von einer Partei anzeigen lassen. Ein gut organisiertes Tweetdeck einzurichten, ist aufwändig. Das Tool eignet sich besonders für Menschen, die viel Zeit auf Twitter verbringen.

 

RSS-Reader

Nicht nur soziale Netzwerke zeigen uns bestimmte Inhalte – auch die Medienseiten, die wir konsumieren, vertreten meist eine bestimmte politische Richtung. Über einen RSS-Feed kann man sich sein eigenes Medien-Menü zusammenstellen. Feedly ist einer von vielen Anbietern, die das ermöglichen, genauso wie Digg oder Newsblur. Um mit einem breiten Spektrum an Meinungen versorgt zu werden, muss man die richtigen Quellen auswählen. Dabei kann diese Karte der deutschen Medienlandschaft helfen. Sie schlüsselt die Medien nach der politischen Richtung auf. Entworfen haben sie Menschen aus dem politischen Think Tank polisphere. Sie betonen selbst, dass die Karte Orientierung bieten kann, allerdings keine wissenschaftliche Ausarbeitung ist.

 

News-Aggregatoren

Einen schnellen Überblick über die Headlines in verschiedenen Medien bietet Newstral. Hier sind sowohl überregionale als auch lokale Nachrichtenportale zusammengetragen. Eine Alternative dazu ist 10000flies, wo aktuelle Nachrichten auf Basis der Shares in sozialen Netzwerken aggregiert werden. Wer sich einen News-Aggregator als Startseite einrichtet, sieht regelmäßig, was verschiedene Medienanbieter schreiben und welche Themen sie auf die Agenda setzen.
 

Die lokale Meinungsblase platzen lassen

Die Stimmen und Meinungen, die wir lesen, sind meist nicht nur politisch, sondern auch örtlich beschränkt. Wer die Berichterstattung in anderen Ländern verfolgt, merkt schnell, dass sich sowohl die Art der Themensetzung als auch die Herangehensweise an konkrete Themen unterscheiden. Bisweilen sind die Perspektiven vollkommen verschieden. In den russischen Medien war zum Beispiel die Berichterstattung über den Konflikt um die Halbinsel Krim eine vollkommen andere als in Deutschland. Die russische Perspektive kam in der deutschen Medienwelt kaum vor. Die lokale Meinungsblase zu umgehen, ist schwierig, da es weltweit unzählige unterschiedliche Perspektiven gibt. Mit diesen Seiten kann man aber einen Anfang machen.

 

1. Newslookup

Newslookup ist ein Nachrichten-Aggregator mit englischsprachigen Seiten. Über Filter kann man sich auch Nachrichten über eine bestimmte Region anzeigen lassen, zum Beispiel Afrika, Ostasien oder Europa.

2. Internationale Presseschau

Die internationale Presseschau des Deutschlandfunks zitiert jeden Tag Kommentare aus verschiedenen Ländern zu den aktuellsten Themen.

3. Eurotopics

Auf Meinungen hat sich auch das Team von Eurotopics spezialisiert. Sie sammeln die wichtigsten Kommentare und Essays aus Europa.

4. Global Voices

Das Team von Global Voices sammelt nicht nur Artikel von Nachrichtenseiten, sondern auch Texte aus Blogs oder sozialen Netzwerken. Freiwillige Autoren verifizieren und übersetzen Nachrichten und Geschichten aus mehr als 150 Ländern. Hier findet man auch Stimmen, die in unserer Medienwelt häufig marginalisiert werden.

Zum Weiterlesen bei The Buzzard:

Die fünf einflussreichsten Medien Russlands
 

Einseitigkeit im Journalismus: Expertenstimmen lesen

Viele Menschen stören sich daran, dass zu bestimmten Themen manche Sichtweisen zu wenig beleuchtet werden. Bei der Ukraine-Krise oder bezüglich der Migration von Geflüchteten wurde die Berichterstattung der sogenannten Mainstream-Medien als zu einseitig kritisiert. Wer sich mit einem Thema beschäftigt, sollte sich daher nicht nur auf Journalisten verlassen.

 

Politische Blogs

Es bietet sich an, neben etablierten Medien auch Blogs zu verfolgen. Das ist hilfreich, weil hier oft Autoren schreiben, die sich intensiv mit einem Thema beschäftigt haben. In vielen Fällen verfolgen sie ein bestimmtes Ziel und müssen starke Argumente vorbringen, um andere zu überzeugen. Wenn es um kontroverse Themen geht, sollte man immer die Stimmen beider Seiten lesen.

Vertrauenswürdige Blogs zu finden, ist nicht ganz einfach. Dabei helfen zum Beispiel Blogrolls, in denen Blogger andere Blogs empfehlen. Das Team von economy4mankind hat eine Liste mit wichtigen deutschsprachigen Blogs zusammengetragen. Einen akademischen Blog führt die London School of Economics and Politics. Europp steht für European Politics and Policy. Hier finden sich wissenschaftliche Beiträge aus unterschiedlichen Bereichen mit dem Schwerpunkt Politik.

 

Wissenschaft

Wenn in einem Artikel eine wissenschaftliche Studie verlinkt ist, lohnt es sich, einen Blick in die Zusammenfassung zu werfen und sich das Fazit anzusehen. So kann man sich selbst eine Meinung bilden. Möchte man sich eingehend zu einem Thema informieren, kann man direkt nach Beiträgen aus der Wissenschaft suchen. Google Scholar ist eine Suchmaschine für wissenschaftliche Dokumente. Hier kann man sich schnell einen Überblick verschaffen. Etwas aufwändiger, dafür unabhängig von Google ist die Recherche mit Hilfe von konkreten Datenbanken. Eine Übersicht gibt es zum Beispiel beim Datenbank-Infosystem der Uni Regensburg. Hier sind auch Datenbanken aufgeführt, die frei im Netz verfügbar sind. Oft muss man für die einzelnen Artikel aber etwas zahlen oder bei einer Bibliothek angemeldet sein, um Zugang zu haben.
 

Mit The Buzzard Filterblasen effektiv bekämpfen

Es ist nicht einfach, das Problem der Filterblase jederzeit zu umgehen. Wer sich allerdings die Mühe macht, wird immer wieder mit Meinungen und Perspektiven belohnt, die er sonst nicht entdeckt hätte und die wichtig sind, um aktuelle Debatten in seiner Gänze überblicken und nachvollziehen zu können.

Wir von The Buzzard wissen, dass nicht jeder die Zeit hat, zu jedem wichtigen Thema ausführlich zu recherchieren. Daher stellen wir jede Woche zu einer Debattenfrage Pro- und Contra-Perspektiven zusammen. Dazu fassen wir Artikel zusammen und übersetzen wenn nötig Texte aus anderen Sprachen. Pro Recherche investieren wir bis zu 100 Stunden.

  • Wir suchen nicht nur Artikel von etablierten Medien heraus, sondern auch Beiträge von Blogs.
  • Wir zeigen auch internationale Stimmen.
  • Wir stellen gegensätzliche Positionen gegenüber.
  • Wir überprüfen Quellen und zeigen, wer hinter den Beiträgen steckt.

Melden Sie sich gerne direkt kostenlos an und bringen Sie Ihre Meinungs- und Filterblasen zum Platzen.

Wer steckt dahinter?

Katharina Mau
Kommt aus:München
Politische Position:interessiert sich für nachhaltigeres Wirtschaften und den ökologischen Fußabdruck
Arbeitet für/als:Freie Journalistin
Was Sie noch wissen sollten:Katharina dachte lange, sie sei zu introvertiert, um Journalistin zu werden. Inzwischen lernt sie an der Deutschen Journalistenschule und schreibt unter anderem für Jetzt.de, die dpa und Orange, das Jugendformat des Handelsblatts. Sie verzichtet auf Plastiktüten und kauft Bio-Käse, isst aber manchmal Avocados aus Chile.
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