Zurück zu allen Tagesempfehlungen
Die Debatte der Woche: Ist Rechtspopulismus gut für die Demokratie?
Nur mit Populismus kann man die Massen erreichen

Bei The Buzzard betrachten wir diese Woche das Thema Rechtspopulismus von einer ungewöhnlichen Perspektive. Hier erfahren Sie, warum.

In Osteuropa ist längst Realität, wovor viele in Westeuropa seit Jahren Angst haben: Orban in Ungarn, Duda in Polen, Zeman in Tschechien. Ein Großteil der Regierungen macht dort mittlerweile Politik am rechten Rand.

Dass sich dieser Trend nicht so schnell ändern wird, das hat sich vergangenes Wochenende auch wieder in Tschechien gezeigt: Bis zuletzt hatten viele Wähler dort gehofft, dass sich der proeuropäische Kandidat Jiří Drahoš durchsetzen würde. Aber am Ende war es dann doch wieder so: Miloš Zeman, bekannt für seinen rechtspopulistischen und antieuropäischen Kurs, bleibt Präsident in Tschechien.

Die Debatte der Woche: Ist Rechtspopulismus gut für die Demokratie?

(Bild: Pixabay.) Ist es nachvollziehbar, dass in Mittel- und Osteuropa mittlerweile so viele Menschen rechtspopulistisch wählen? Ist Rechtspopulismus eine ernsthafte Gefahr für die europäische Demokratie? Diesen Fragen widmen wir uns in der neuen Debatte. 

 

Das ewige „wir gegen sie“

Die europäische Presse reagierte bestürzt auf den Wahlsieg von Zeman: Die slowakische Zeitung SME schreibt, in Tschechien habe der Hass und die Vulgarität über den gesunden Menschenverstand gesiegt; die TAZ kommentiert: „Dem alten Mann bereitet es offensichtlich Freude, die Spaltung der Gesellschaft weiter voran zu treiben“; und THE GUARDIAN verweist in mehreren Artikeln darauf, dass Putin jetzt mal wieder erreicht habe, was er wolle.

Dieses Bild der Medienberichterstattung ist nur ein kleiner Teil eines großen Mosaiks, das seit Jahren ähnlich aussieht. Jahr für Jahr erstarken die Rechtspopulisten – nicht nur im Osten unseres Kontinents, auch in Westeuropa und Skandinavien. Und Jahr für Jahr schreiben große europäische Zeitungen gegen die Wahlergebnisse an. So, als handle es sich bei den populistischen Parteien um Gespenster, die verschwinden, wenn man nur lange genug betont, dass es sie nicht geben dürfte. Rechtspopulisten, die so gut darin sind, Feindbilder zu inszenieren, werden damit von vielen Medien ironischerweise selbst zum Feindbild stilisiert. Und wo differenzierter politischer Diskurs herrschen könnte, bleibt oftmals wieder nur das Narrativ von „wir gegen sie“, der Kampf von Gut gegen Böse.

Rechtspopulisten seien die „Feinde Europas“, schreibt der SPIEGEL, eine Bedrohung für die europäische Demokratie. Die Demokratie zerstöre sich selbst, schreibt die ZEIT. Aber stimmt das wirklich? Bedrohen Rechtspopulisten wirklich die Demokratie? Oder beleben sie sie nicht auch? Sind Rechtspopulisten nicht vielleicht auch ein soziales Korrektiv zur Politik und Bürokratie in Brüssel, die sehr weit weg ist von den Wählern? Deshalb fragen wir diese Woche ganz provokant: Ist Rechtspopulismus gut für die Demokratie? 

In der aktuellen Debatte zeigen wir Perspektiven wie die des Philosophie-Professors Francis Cheneval, der Rechtspopulisten mit einer Medizin vergleicht, die in geringen Dosen dabei helfen kann, unsere träg gewordene Demokratie aufzurütteln; oder die des polnischen Journalisten Piotr Buras, der erklärt, warum Rechtspopulismus gerade in Osteuropa so stark werden konnte.

Wir geben Einblick in das Denken von Politik-Professor Jan-Werner Müller, der populistische Bewegungen weltweit analysiert, und zum Schluss kommt, dass Rechtspopulismus niemals gut für eine Demokratie sein könne, weil Rechtspopulismus im Kern antidemokratisch sei. Und wir übersetzen die Perspektive des russischen Journalisten Andrej Kolesnikov, der erläutert, wie die liberale politische Szene in Moskau über den immer stärker werdenden Rechtspopulismus in Europa nachdenkt.

 

  • Hier geht es zu unserer aktuellen Debatte.
  • Wenn Sie neu auf TheBuzzard sind, können Sie sich hier registrieren und vier Beiträge der aktuellen Debatte kostenlos lesen.
  • Buzzard Pro-Nutzer bekommen Zugriff auf alle Beiträge der Debatte mit vielen Pro- und Contra-Argumenten, Hintergrundartikeln und Perspektiven aus dem Ausland, die den Horizont erweitern.

Wer steckt dahinter?

Dario Nassal
Kommt aus:Gebürtig Stuttgart; jetzt: Leipzig; zuvor: Amsterdam & Mannheim
Politische Position:Findet Politik in Deutschland sollte umweltfreundlicher und sozialer gestaltet sein.
Arbeitet für/als:Gründer & Geschäftsführer bei TheBuzzard.org
Was Sie noch wissen sollten:Dario ist Mitgründer von TheBuzzard.org. Er hat zuvor bei der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG, der STUTTGARTER ZEITUNG und dem MANNHEIMER MORGEN geschrieben und Politikwissenschaften in Mannheim, Istanbul und Amsterdam an führenden europäischen Universitäten studiert.
Lies The Buzzard ab sofort in deinem E-Mail Postfach. Nein danke

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.