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Die fünf einflussreichsten Medien Russlands
Russland Flagge

Fast jeden Tag liest man in den Nachrichten über Russland. Fast jeden Tag fragt man sich “Was passiert eigentlich in diesem Land”? Für alle, die russische Politik besser verstehen wollen und denen allein westliche Medien nicht genügen, haben wir für Sie die fünf einflussreichsten Medien in Russland zusammengestellt. Denn nur derjenige, der sich aus verschiedenen Quellen informiert, kann sich tatsächlich sein eigenes Bild machen.

Vorab noch ein paar Informationen über den Medienkonsum vieler Russen: Laut aktuellen Umfragen bleibt Fernsehen bis heute die beliebteste Informationsquelle vieler Russen. Nachrichtenwebseiten und Printmedien sind zwar wichtig, werden aber deutlich weniger genutzt. Neuerdings gibt es aber immer mehr Russen, die Blogs, politische Foren und Social Media als primäre Quelle für News bzw. Information benutzen.

 

1. Perwy Kanal und Rossija 24 

Perwy Kanal ist der populärste Fernsehsender des Landes. Die wöchentliche Zuschauerschaft des Senders erreicht über 80% der Bevölkerung. Obwohl Perwy Kanal offiziell gesehen nur halbstaatlich ist (49% der Aktien des Senders sind in privatem Besitz), verfolgt der Kanal einen strikt regierungstreuen Kurs. Trotz der mehrmalig bewiesenen Falschmeldungen (vor allem im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg) genießt der Perwy  Kanal eine herausragende Stellung unter den russischen Medien.

Im Vergleich zu Perwy Kanal konzentriert sich der staatliche Fernsehsender Rossija 24 nur auf reine Nachrichtenprogramme. Ursprünglich hat der Sender danach gestrebt, einen umfassenden und unparteiischen Überblick über das Leben in der gesamten russischen Region zu geben. Mittlerweile wird er aber oft von vielen russischen Journalisten für seine häufig einseitige und kremltreue Berichterstattung kritisiert.

 

2. TASS

TASS ist die größte staatliche Nachrichtenagentur Russlands und veröffentlicht sowohl auf Russisch als auch auf Englisch. Die Agentur verfügt über 70 Niederlassungen in Russland sowie 68 Büros in der ganzen Welt. Zudem ist TASS Medienpartner von hochkarätigen Konferenzen, Foren und Ausstellungen in Russland sowie im Ausland. Sie ist Mitglied weltweiter und regionaler Medienorganisationen wie dem Weltmediengipfel (WMS), dem Weltkongress der Nachrichtenagenturen (NAWC) und der Europäischen Allianz der Nachrichtenagenturen (EANA). Nichtsdestotrotz wurde TASS einige Male vorgeworfen, unzuverlässige oder fragwürdige Informationen zu veröffentlichen.

 

3. RIA Novosti (bzw. Sputnik)

RIA Novosti ist die zweitgrößte russische Nachrichtenagentur. Der Schwerpunkt der Berichterstattung liegt auf Nachrichten aus Russland und den übrigen GUS-Ländern. Die Agentur verbreitet zudem offizielle Verlautbarungen der russischen Regierung, von Ministerien und Dienststellen sowie von gesellschaftlichen Organisationen.

Seit Ende 2013 gehört RIA Novosti zu der staatlichen Medienholding Rossija Sewodnja. Rossiya Sewodnja hat die Multimedia-Plattform Sputnik als internationale Vertretung von RIA Novosti und Voice of Russia ins Leben gerufen. In Russland selbst betreibt das Unternehmen jedoch weiterhin seinen russischsprachigen Nachrichtendienst unter dem Namen RIA Novosti mit der Website ria.ru.

Die Schließung RIA Novosti als eigenständige Agentur rief internationale Kritik von Medienexperten hervor, da sie sich zuvor bemüht hat, eher ausgewogene Berichterstattung zu machen. Sputnik wird hingegen oft von internationalen Medien als “russisches Staatspropagandamittel” bezeichnet. Sogar Emmanuel Macron hat Sputnik vorgeworfen, während des französischen Präsidentschaftswahlkampfes „falsche Propaganda“ über ihn und sein Wahlkampfteam verbreitet zu haben.

 

4. Kommersant 

Kommersant ist eine russische Tageszeitung, die sich auf Wirtschaftsthemen spezialisiert, aber auch auf allgemeine gesellschaftliche und politische Themen eingeht. Kommersant gilt als eine zuverlässige, eher liberale Quelle und wird auch von anderen Medien häufig zitiert. Seit 2008 gehört die Zeitung Alischer Usmanow, einem russischen Oligarchen, der u.a. Generaldirektor des Gazprom-Tochterunternehmens Gazprom Investholding ist.

In 2015 startete die Zeitung “US-Russland Crosstalk”, eine gemeinsame Initiative zwischen Kommersant und der Washington Times, die sich mit außenpolitischen Diskussionen über die Beziehungen zwischen Russland und den USA beschäftigt.

 

5. Iswestija

Iswestija ist einer der ältesten Zeitungen Russlands. Seit 2008 gehört sie dem Milliardär Juri Kowaltschuk und ist Teil seiner Holding Nationale Mediengruppe. In den vergangenen Jahren hat sich die Zeitung zunehmend konservativ ausgerichtet. Gleichzeitig konzentriert sie sich immer weniger auf politische und ökonomische Analysen, sondern auf “kürzere Texte und sensationelle Themen”. Da Iswestija zur russischen Qualitätspresse gezählt wird, sehen viele Journalisten diese Tendenz mit Besorgnis.

 

Wir hoffen, dieser kurze Überblick über wichtige russische Medien hat Ihnen bereits etwas geholfen, einen schnelleren Einstieg in die russische Medienlandschaft zu bekommen. In den kommenden Wochen werden wir auf The Buzzard weitere Texte dieser Art schreiben: u.a. über Regierungsmedien, kremlkritische Oppositionsmedien und –Blogs sowie über russische Exilmedien.

Wenn Sie sich für die Beweggründe Putins im Ukraine-Konflikt interessieren, legen wir Ihnen unsere Debattenübersicht zu der Frage ans Herz, wie legitim eigentlich die Interessen der ostukrainischen Separatisten sind. Wen interessiert, warum Putin an der Seite des syrischen Präsidenten Assad kämpft, sollte sich unsere kontroverse Meinungsmappe zum Syrien-Krieg anschauen. Wie immer mit Stimmen vor Ort und den verschiedenen Sichtweisen auf diese schwierigen Konflikte.

Wer steckt dahinter?

Olga Osintseva
Kommt aus:Russland
Politische Position:Bezeichnet sich selbst als mitte-links
Arbeitet für/als:Arbeitet als Redakteurin bei The Buzzard und als Event- und Community-Managerin beim Strascheg Center For Enterpreneurship in München
Was Sie noch wissen sollten:Osintseva hat 2015 ihren Master in Politikwissenschaft an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg abgeschlossen. Sie kommt aus Russland und lebt mittlerweile seit vier Jahren in Deutschland.
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