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Weniger Weihnachtsgeschenke – würde damit die Welt ein bisschen besser?
Weniger Weihnachtsgeschenke - würde damit die Welt ein bisschen besser?

Weihnachten steht für Besinnlichkeit. Gleichzeitig wird zu keiner anderen Jahreszeit so viel gekauft und konsumiert wie kurz vor Heiligabend. Nachwuchsjournalistin Katharina Mau findet, das sollte sich ändern. 

Donald Trump behauptet, es gebe keinen Klimawandel. Der Großteil der Wissenschaftler ist sich aber einig: Erderwärmung gibt es und sie hat sehr reale Konsequenzen: Der Meeresspiegel steigt. Tiere und Pflanzen sind bedroht. Es gibt häufiger extreme Wetterereignisse, wie Hitzewellen oder Stürme.

Trotzdem ändern wir nicht genug an unserem Verhalten. Wir fliegen weiterhin in den Urlaub, fahren mit dem Auto zur Arbeit, essen mittags in der Kantine Fleisch. Bewusst nehmen wir die negativen Folgen in Kauf und reden uns ein, wir könnten mit unserem Verhalten doch sowieso keine Veränderung bewirken.

Deshalb fragen wir von The Buzzard uns diese Woche: Müssen wir verzichten lernen?“ Gerade kurz vor Weihnachten treiben wir unseren Konsum auf den Höhepunkt. Gleichzeitig ist es ein Fest der Liebe und des Miteinanders. Ein guter Zeitpunkt eigentlich, um innezuhalten, den eigenen Lebensstil zu überdenken und sich zu fragen: Wäre individueller Verzicht ein Weg, die Klimaerwärmung zu stoppen? Könnten wir durch mehr Verzicht verhindern, dass Menschen in Textilfabriken ausgebeutet werden oder dass Tiere bei Massentransporten leiden?

Weniger Weihnachtsgeschenke - würde damit die Welt ein bisschen besser?

(FotoGian-Reto Tarnutzer auf Unsplash.) Klimaerwärmung wird schwer aufzuhalten sein, so lange wir nicht lernen zu verzichten. 

Verzicht braucht ein positives Image 

Mein Name ist Katharina Mau. Ich bin Schülerin bei der Deutschen Journalistenschule und seit dieser Woche schreibe ich auch für The Buzzard. In der Vergangenheit habe ich mich selbst viel mit der Frage beschäftigt, wie ich mein eigenes Leben so gestalten kann, dass es der Umwelt weniger schadet. Und etwas, das mir in diesem Zusammenhang immer wieder auffällt, ist, wie negativ das Thema Verzicht in unserer Gesellschaft nach wie vor bewertet wird.

Ein gutes Beispiel ist eine Freundin von mir: Sie spricht mittlerweile nicht mehr gerne darüber, dass sie Veganerin ist. Zu oft haben andere das negativ aufgenommen und sie musste sich für ihre Entscheidung, keine tierischen Produkte zu essen, rechtfertigen. Kaum jemand sagt: „Toll, dass du Massentierhaltung nicht unterstützen möchtest!“ Viele fühlen sich in ihrem eigenen Lebensstil angegriffen und werten ihre Entscheidung, vegan zu leben, ab.

Niemand muss sich dafür rechtfertigen, dass er in einem Schutzprojekt für Schildkröten arbeitet oder Strände von Plastik befreit. Es gibt Preise für Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren. Doch wer auf etwas verzichtet, um sich für Tiere oder die Umwelt einzusetzen, bekommt selten Anerkennung dafür – im Gegenteil.

Meiner Meinung nach wäre es ein erster Schritt, den Verzicht von seinem negativen Image zu befreien. Wer seinen Lebensstil bewusst reflektiert, kann ein Vorbild sein. Der Klimawandel ist die Konsequenz daraus, dass wir zu viel produzieren, zu viel fliegen, zu viel Auto fahren. Weniger von dem zu tun, was die Umwelt belastet, ist ein Versuch, verantwortungsvoll zu handeln. Das sollte man wertschätzen, nicht abwerten.

Weniger Weihnachtsgeschenke - würde damit die Welt ein bisschen besser?

(Foto: Pixabay.) Günstige Flugangebote verleiten dazu, das Flugzeug zu wählen. Die Umweltbelastung ist aber hoch.

Wir sollten Ideen wie Emissionshandel stärker durchsetzen

Gleichzeitig bin ich der Meinung, individueller Verzicht alleine reicht nicht aus. Die Politik müsste Menschen stärker darin unterstützen, zu verzichten. Ein Flugticket innerhalb von Deutschland sollte niemals günstiger sein als eine Bahnfahrt. Man könnte das Fliegen stärker besteuern und das Geld in die Bahn-Infrastruktur investieren, sodass Bahnfahren attraktiver wird. Man könnte Fleisch stärker besteuern, sodass es den Preis erreicht, den es haben müsste, würde man die Kosten für die Umwelt und die Tiere mit einberechnen.

Außerdem ist es meiner Meinung nach wichtig, dass nicht nur Menschen, sondern auch Unternehmen davon profitieren, wenn sie verzichten. Der Emissionshandel war ein guter Ansatz, Unternehmen darin zu bestärken, ihre Emissionen zu senken. Doch bisher gibt es zu viele Emissionszertifikate, sodass kein richtiger Handel stattfindet. Der Anreiz, auf Emissionen zu verzichten, fehlt – zumindest aus wirtschaftlicher Sicht – und die Idee Verzicht für Unternehmen zur cleveren Alternative zu machen, bleibt vorerst ungenutzt.

Dass Verzicht ein so negatives Image hat und dass es so wenig Anreize gibt zu verzichten, ist meiner Meinung nach fatal, denn die Umwelt ist auf Verzicht angewiesen – sowohl bei Unternehmensentscheidungen als auch im persönlichen Leben. Da sich unsere Gesellschaft in eine Richtung entwickelt hat, die der Umwelt schadet, muss sie sich nun in bestimmten Punkten wieder entgegengesetzt entwickeln. Und wir sollten verstehen: Das ist kein Rückschritt, sondern ein Voran in eine neue Richtung. Genau wie Verzicht kein Einschnitt sein muss, sondern schlichtweg ein Umorientieren zu neuen Gewohnheiten.

Wer weniger Fleisch ist, wird eher Gemüselasagne, Sellerieschnitzel oder Linseneintopf für sich entdecken. Und gemeinsame Zeit kann auch ein tolles Weihnachtsgeschenk sein – ganz ohne Materialverbrauch.

 

Wie Blogger und Journalisten sich für und gegen Verzicht aussprechen, könnt ihr ab Freitag, 18 Uhr, in unserer neuen Debatte lesen. Für alle, die dabei sein wollen und noch nicht bei TheBuzzard.org sind, hier entlang. Wer sich jetzt kostenlos anmeldet, kann ab Freitag einige ausgewählte Perspektiven aus der neuen Debatte gratis probelesen. Auch wir müssen als Journalisten von etwas leben. Wir müssen Recherche bezahlen und Artikel schreiben sich nicht von selbst. Wer alle unsere Perspektiven lesen und unsere Arbeit unterstützen möchte, hier entlang und jetzt als PRO-Leser anmelden. #SaveTheBuzzard

Wer steckt dahinter?

Katharina Mau
Kommt aus:München
Politische Position:interessiert sich für nachhaltigeres Wirtschaften und den ökologischen Fußabdruck
Arbeitet für/als:Freie Journalistin
Was Sie noch wissen sollten:Katharina dachte lange, sie sei zu introvertiert, um Journalistin zu werden. Inzwischen lernt sie an der Deutschen Journalistenschule und schreibt unter anderem für Jetzt.de, die dpa und Orange, das Jugendformat des Handelsblatts. Sie verzichtet auf Plastiktüten und kauft Bio-Käse, isst aber manchmal Avocados aus Chile.
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