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Worüber Medien zu wenig berichten (Teil 4): Krieg im Jemen
Worüber Medien zu wenig berichten (Teil 4): Krieg im Jemen

In den vergangenen Wochen tauchte immer wieder ein Thema in der deutschen Presse auf, von dem man sonst nur sehr wenig hört: Der Bürgerkrieg im Jemen. Jeder weiß, wie schrecklich die Lage in Syrien ist, immer wieder sieht man eine Schlagzeile zu Afghanistan, aber Jemen? Die meisten wissen noch nicht einmal, wo der Jemen liegt. Geschweige denn, wer hier wen bekämpft. Wir finden, es ist an der Zeit, dass sich das ändert.

Warum ist es relevant, mehr über den Jemen zu erfahren?

Seit 2015 tobt im Jemen einer der furchtbarsten, blutigsten Bürgerkriege auf diesem Planeten. Laut Informationen der NGO „Search for Common Ground“ sind mittlerweile mehr als 10 000 Menschen im Bürgerkrieg gestorben, 3,1 Millionen von insgesamt 27 Millionen Einwohnern haben ihre Heimat verloren. Die UN rechnet vor, dass mehr als 17 Millionen Menschen mittlerweile im Jemen an Hunger leiden und laut Reuters bis Ende des Jahres 2017 vermutlich mehr als 300 000 Menschen an Cholera erkranken werden.

Alles klar, könnte man nun sagen. Eine humanitäre Katastrophe also. Davon gibt es ja nicht gerade wenige auf der Welt. Deshalb muss ich doch trotzdem nicht ständig etwas über den Jemen in den Medien hören, ändert doch sowieso alles nichts.

Worüber Medien zu wenig berichten (Teil 4): Krieg im Jemen

(Foto: Ferdinand Reus. Veröffentlicht auf Wikimedia Commons unter CC BY-SA 2.0.) Jemens Hauptstadt Sanaa ist von jeher eine Stadt mit großer Wasserknappheit. Seit Ausbruch des Krieges hat die prekäre Situation zugenommen.

Wir finden: genau diese Einstellung ist falsch. Denn während in manchen Krisenregionen der Welt zumindest der Versuch unternommen wird, Gesprächspartner an einen Tisch zu bekommen, internationale Schutztrupps zu schicken und intensiv humanitäre Hilfe zu leisten, schaut die Öffentlichkeit und die Staatengemeinschaft gleichgültig dabei zu, wie sich im Jemen der Iran und Saudi Arabien einen katastrophalen Stellvertreterkrieg liefern (mit deutschen Waffen wohlgemerkt). Und unternommen wird nichts. Währenddessen erleiden, laut Angaben der UN, im Jemen durchschnittlich 70 Menschen pro Tag extrem schwere Verletzungen – die meisten von ihnen sterben.

Natürlich können ein paar Schlagzeilen nicht sofort eine UN Intervention herbeiführen (was ohnehin vielleicht nicht der beste Weg zum Frieden ist). Aber Schlagzeilen generieren Aufmerksamkeit, was bedeuten würde, dass womöglich mehr Menschen für humanitäre Hilfe im Jemen spenden würden, dass eine öffentliche Debatte entsteht, dass Politiker gezwungen sind, diplomatischen Druck auszuüben – und vielleicht würde das politisch schon etwas bewegen. Naming is shaming – ist zumindest das Motto der meisten NGOs. Aber im Jemen sieht es größtenteils so aus, dass die Konfliktparteien unbehelligt Kriegsverbrechen begehen können, ohne, dass die Welt einen Finger rührt und ohne, dass die deutsche Öffentlichkeit wirklich etwas davon mitbekommt.

Warum wird so wenig über den Jemen geschrieben?

Laut dem Konfliktforscher Shoqi Maktary liegt das größtenteils daran, dass es enorm schwierig ist, als westlicher Journalist in den Jemen zu reisen. Denn für den Jemen, schreibt Maktary, brauche man ein Visum und zusätzlich eine Erlaubnis von allen Ländern, die mit der offiziellen Regierung Jemens in einer Koalition sind, bevor man die Grenze überhaupt überqueren könne. Den wenigsten Journalisten gelinge es, eine Einreiseerlaubnis zu erlangen. Zudem seien die Flugrouten über Qatar oder Jordan sehr unzuverlässig und gefährlich. Maktary erläutert seine Perspektive in diesem sehr lesenswerten Beitrag und geht über die Medienberichterstattung zum Jemen ins Detail.

Worüber Medien zu wenig berichten (Teil 4): Krieg im Jemen

(Foto: Ibrahem Qasim. Veröffentlicht auf Wikimedia Commons unter CC BY-SA 4.0.) Bild zeigt einen Luftangriff auf Jemens Hauptstadt Sanaa am 11. Mai 2015

Wo kann ich mehr erfahren?

Zusätzlich zum Artikel von Maktary empfehlen wir diesen Report der NGO „Search for Common Ground“, vor allem das „Context“-Kapitel und die „Executive Summary“. Wer besser verstehen will, warum es überhaupt so weit gekommen ist im Jemen, und wer die verschiedenen Konfliktparteien sind, kann hier weiterlesen.

Und natürlich auch bei uns auf TheBuzzard.org. Denn am Freitag erscheint für alle Pro-Leser unsere neue Debatte zur Frage: Wird der Krieg im Jemen bald enden? Wir haben die spannendsten Texte von Bloggern, Wissenschaftlern und Nah-Ost-Experten ausgewertet und schauen uns an, wie realistisch die Lösungsansätze in diesem Krieg sind. Auf der einen Seite stehen die Schwierigkeiten in diesem verworrenen Konflikt, auf der anderen Seite finden sich die Ideen und Beispiele, die Grund zur Hoffnung geben.

Wir hoffen durch diesen Diskurs neuen Schwung in die Debatte zu bringen und zwar konstruktiv und lösungsorientiert. Denn wir wünschen uns sehr, dass sich im Jemen bald etwas zum Besseren wandelt. Wer Lösungsansätze, Ideen oder Lesetipps hat, gerne hier im Forum teilen. Wir freuen uns über jeden Kommentar.

Für alle, die noch nicht bei TheBuzzard.org dabei sind, hier entlang. Wer sich jetzt kostenlos anmeldet, kann ab Freitag einige ausgewählte Perspektiven aus der neuen Debatte gratis probelesen.

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Wer steckt dahinter?

Dario Nassal
Kommt aus:Gebürtig Stuttgart; jetzt: Leipzig; zuvor: Amsterdam & Mannheim
Politische Position:Findet Politik in Deutschland sollte umweltfreundlicher und sozialer gestaltet sein.
Arbeitet für/als:Gründer & Geschäftsführer bei TheBuzzard.org
Was Sie noch wissen sollten:Dario ist Mitgründer von TheBuzzard.org. Er hat zuvor bei der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG, der STUTTGARTER ZEITUNG und dem MANNHEIMER MORGEN geschrieben und Politikwissenschaften in Mannheim, Istanbul und Amsterdam an führenden europäischen Universitäten studiert.
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