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Der Mann, der Europa spaltet
Der Mann, der Europa spaltet

Putin polarisiert. Wenn Europäer über den richtigen Umgang mit Russland sprechen, dann kommt es fast immer zu Streits: Die einen sehen in Russland eine gewaltige Gefahr für die EU und wünschen sich, dass Brüssel Moskau gegenüber härtere Grenzen aufzeigt. Die anderen finden diese Politik der Abgrenzung falsch und erhoffen sich mehr Kooperation und Diplomatie. Diese Woche suchen wir bei The Buzzard nach Antworten – und den spannendsten und klügsten Argumenten im Netz.

Seit über drei Jahren haben die EU und die USA Sanktionen gegen Russland verhängt. Die Sanktionen galten als Reaktion auf die Krim-Annexion im März 2014. Ziel war es, Druck auf Putins Regierung auszuüben. Geglückt ist das bisher nicht: Putin hat seinen Standpunkt nicht verändert, die Situation in der Ukraine bleibt kritisch und die EU scheint wieder einmal ratlos. Sollte man die Sanktionen einfach weiterlaufen lassen? Müsste man einen härteren Ton gegenüber Putin anschlagen? Und ganz generell: Wie sollte man mit Putin eigentlich am besten umgehen? Wäre Kooperation besser als Konfrontation?

Der Mann, der Europa spaltet

In Deutschland wird über die Sanktionen heftig gestritten

In der deutschen Parteienlandschaft fallen Antworten auf diese Frage sehr unterschiedlich aus: Christian Lindner (FDP) hat während und auch nach den Bundestagswahlen mehrfach betont, er setze sich dafür ein, dass man einen Schritt auf Putin zumache und die Krim vorerst anerkenne, obwohl das dem FDP-Wahlprogramm widerspricht. Ähnliche Forderungen hörte man von Sigmar Gabriel (SPD) immer wieder. Andere Stimmen wie Cem Özdemir von den Grünen widersprechen stark. Wer hat Recht? Sollten wir die Sanktionen aufgeben? Sind die Sanktionen, die die USA im August nochmal verschärft haben, der bessere Weg? Oder schüren USA und EU mit den Sanktionen nur noch mehr Spannungen?

Schwarz-Weiß-Denken hilft nicht weiter 

Mit diesen Fragen befassen wir uns diese Woche bei The Buzzard. Und für uns ist das ganz besonders spannend: Denn bei wenig anderen Themenfeldern werden unsere europäischen Paradigmen so schonungslos aufgedeckt, wie beim Thema Russland. In Europa überwiegt ein Schwarz-Weiß-Bild, ein vereinfachtes Gut-Böse-Schema, der Konsens, dass Putin ein antiwestlicher Aggressor ist. Putin selbst weiß um dieses Vorurteil und nutzt es zu seinen Gunsten aus. Er macht linken, aber mittlerweile auch vielen AfD-nahen Deutschen weis, dass diese Verteufelung des aggressiven Russlands eine Erfindung des westlichen Establishments ist. Imperialisten, die Putin nur verteufeln, um die eigene aggressive Expansionspolitik als Verteidigungsreaktion zu verkleiden. Aber wo liegt die Wahrheit?

Der Mann, der Europa spaltet

Damals gab es noch keine Ukraine-Krise und keine Sanktionen. Putin und Merkel im April 2006.

Foto von kremlin.ru veröffentlicht auf Wikimedia Commons unter CC BY 4.0

Gemeinsam mit unserer Redakteurin Clara Lipkowski, die für SZ und Tagesspiegel arbeitet, fließend Russisch spricht und die Politik des Kremls seit vielen Jahren intensiv verfolgt, und mit  unserer Redakteurin Olga Osintseva, die The Buzzard seit Anfang des Jahres begleitet und in Russland geboren und aufgewachsen ist, durchforsten wir das Netz nach den spannendsten Originalstimmen von ukrainischen und russischen Bloggern, von amerikanischen Wissenschaftlern, von deutschen Journalisten und Aktivisten, weil wir denken, dass es Zeit ist, weg zu kommen vom Schwarz-Weiß Bild im Umgang mit Russland, hin zu einem nuancierten Bild, zu einer vielstimmigen Debatte. Putin ist weder schlichtweg böse, noch ist er harmlos. Und ebenso sollte auch die EU sich nicht dazu hinreißen lassen mit einer Schwarz-Weiß Schablone im Kopf Außenpolitik zu machen. Das zumindest finden wir in der Redaktion. Und wir freuen uns auf die kommenden Tage und die spannende neue Ausgabe zur Frage: Sind die Sanktionen des Westens gegen Russland sinnvoll?

Für alle PRO-Leser ist unsere Sammlung der interessantesten Perspektiven ab Freitag um 18 Uhr zugänglich.

Wer noch nicht dabei ist, mitlesen und unsere Arbeit unterstützen möchte, hier entlang. Wir brauchen jetzt Unterstützung, sonst können wir The Buzzard ab Anfang 2018 nicht mehr weiter machen!  #SaveJournalism!

Wer steckt dahinter?

Dario Nassal
Kommt aus:Gebürtig Stuttgart; jetzt: Leipzig; zuvor: Amsterdam & Mannheim
Politische Position:Findet Politik in Deutschland sollte umweltfreundlicher und sozialer gestaltet sein.
Arbeitet für/als:Gründer & Geschäftsführer bei TheBuzzard.org
Was Sie noch wissen sollten:Dario ist Mitgründer von TheBuzzard.org. Er hat zuvor bei der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG, der STUTTGARTER ZEITUNG und dem MANNHEIMER MORGEN geschrieben und Politikwissenschaften in Mannheim, Istanbul und Amsterdam an führenden europäischen Universitäten studiert.
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