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Können wir weiter so wie bisher unsere Felder beackern?
Können wir weiter so wie bisher unsere Felder beackern?

In den vergangenen Wochen konnten wir sie wieder sehen. Wenn wir aus der Stadt hinaus fuhren aufs Land, dann sahen wir, wie sie mir ihren 200 PS-Schleppern lange und schnurgerade dunkelbraune Linien zogen: Landwirte, die nach der Ernte des Sommers im Herbst ihre Felder beackern.

„Ein Feld beackern“ – eine schöne Metapher, die wir alle kennen. Wir haben wahrscheinlich das Bild von einem Landwirt mit Pferden beim Pflügen vor Augen. Ein Bild, das tief in unserem kollektiven Gedächtnis verankert ist, sei es als vergilbtes Foto oder als altes Gemälde. Vielleicht ist es sogar eine echte Kindheitserinnerung: Der Bauer, der im Schweiße seines Angesichts die Scholle umpflügt. Und der nach harter Plackerei am Abend zufrieden auf die Arbeit des Tages – sein Tagwerk – schaut.

Können wir weiter so wie bisher unsere Felder beackern?

Ein sehr romantisches Bild, das viele von uns da bewahrt haben. Ein Bild, das wir uns vielleicht bewahren mussten, weil vor unserem geistigen Auge immer öfter ganz andere, unangenehme Bilder auftauchen. Immer dann, wenn wir nahezu im Wochentakt von verseuchten Eiern, unhaltbaren Zuständen in Schweineställen oder vom Sterben der Bienen lesen müssen.

In den Kommentarspalten der Presse und an den Stammtischen sind die Täter sehr schnell ausgemacht: die unverantwortlichen Bauern, zusammen mit den profitgierigen Lebensmittelkonzernen. Und die armen Opfer, das sind wir, die hilflosen Verbraucher.

Eine Agrarwende für Deutschland? Die neue Frage für The Buzzard

Können wir weiter so wie bisher unsere Felder beackern?

Doch selbst die Stilisierung als Opfer einer korrupten, profitsüchtigen Industrie kann das latente Unbehagen über die Art und Weise, wie unsere Lebensmittel erzeugt werden, oft nicht verdrängen. Oder das schlechte Gewissen, wenn wir im Supermarkt mal wieder zum billigen Produkt greifen, statt zu dem gleich daneben Liegenden – dem etwas teureren mit dem Bio-Siegel.

Für viele Verbraucher in Deutschland ist dieses Unbehagen mittlerweile so groß geworden, dass sie sich eine Wende in der Agrarpolitik wünschen: „Die Politik muss endlich etwas tun!“ Für Einige mag dieser Wunsch nach einer neuen Politik so groß gewesen sein, dass sie für sich entschieden haben, am 24. September ihr Kreuzchen an einer ganz bestimmten Stelle zu machen.

Fast acht Wochen später müssen sie aber mit Erstaunen feststellen, dass das Thema Agrarwende offenbar gar nicht auf der Tagesordnung steht bei den Sondierungsgesprächen für eine neue Regierung.

Können wir weiter so wie bisher unsere Felder beackern?

Deshalb haben wir von The Buzzard die nach wie vor aktuelle Frage nach einer Agrarwende zum Anlass genommen für eine Recherche zu diesem Thema: Gibt es – trotz komplizierter globaler Abhängigkeiten – die Möglichkeit, die Landwirtschaft, nachhaltiger, menschenverträglicher, „grüner“ zu machen?

Sehr rasch wurde uns klar, dass man mit einem solch einem komplexen Thema keine schnellen politischen Erfolge erzielen kann. Und die Frage, ob auf lange Sicht Erfolge möglich sein werden, sie ist wirklich nicht leicht zu beantworten.

Keine einfachen Antworten, aber viele komplexe Abhängigkeiten

Es beginnt schon bei der Begriffsdefinition: ökologisch, biologisch, nachhaltig, konventionell.

Dann die schwierige Frage, wo konkret die Politik ansetzen sollte und inwieweit die gemeinsame Agrarpolitik der EU eine Wende in Deutschland überhaupt zulassen würde?

Welche Alternativen hat ein Land, das der  weltweit drittgrößte Agrar-Exporteur ist?

Dessen Bürger in ihrer Mehrzahl die hohe Qualität der hier zu kaufenden Lebensmittel schätzen und die nicht bereit sind, für die angeblich gesünderen Bio-Produkte mehr Geld auszugeben?

Schaut man sich die Geschichte der Landwirtschaft an, dann gibt es nur eine Konstante: die Abhängigkeit vom Wetter.

Alles andere unterlag und unterliegt immer einem ständigen Wandel, verbunden mit immer neuen Abhängigkeiten:

Können wir weiter so wie bisher unsere Felder beackern?

Ohne Soja aus Brasilien und Argentinien können in Deutschland nicht die Mengen an Fleisch produziert werden, die der Markt nachfrägt.

Ohne Subventionen aus den EU-Kassen können viele landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland nicht überleben.

Ohne das hohe Einkommen einer bestimmten Schicht würden in Deutschland wohl kaum so viele biologische Lebensmittel produziert werden können.

Ohne den Import von billigem Getreide aus der EU würden Kleinbauern in Ländern der Drittel Welt nicht ihre Felder aufgeben – mit der Folge, dass die dortige Bevölkerung hungern muss, wenn die Weltmarkpreise für Lebensmittel mal wieder steigen. Und das nur, weil die EU den Export von Agrarprodukten mit Subventionen fördert.

Können wir weiter so wie bisher unsere Felder beackern?

Doch gerade die weltweiten Abhängigkeiten und Verflechtungen machen das Feld, das die Redaktion von TheBuzzard diese Woche beackert, so interessant.

Eines können wir nach unserer Recherche schon jetzt feststellen: es gibt  auch Gründe, optimistisch zu sein. Viele Lösungsvorschläge liegen auf dem Tisch – teils visionär, teils sehr pragmatisch.

Und weil diese konstruktiven Vorschläge, und nicht nur die PRO- und CONTRA-Argumente, so spannend zu lesen sind, werden wir sie zum Schwerpunkt unseres neuen Themas machen. Es geht am Freitagabend online.

Wer diese Debatte in der Tiefe lesen und unsere Arbeit als Buzzard PRO-Leser unterstützen möchte – hier entlang. Wir brauchen nun viel Unterstützung, um weiterhin werbefrei und hochqualitativ arbeiten zu können. Also nicht zögern:

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Wer steckt dahinter?

Georg Scheller
Kommt aus:Aufgewachsen im Saarland, lebt seit 47 Jahren in Bayern
Arbeitet für/als:Redakteur bei TheBuzzard
Was Sie noch wissen sollten:Hat 32 Jahre beim Bayerischen Rundfunk gearbeitet. Zunächst als Reporter für Tagesschau, Tagesthemen und die TV-Nachrichten für Bayern, dann als Nachrichten-Redakteur. Zuletzt Leiter des Programm-Qualitätsmanagements des Bayerischen Fernsehens
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