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Haben wir ein falsches Bild vom Iran?
Haben wir ein falsches Bild vom Iran?

Als ich im Februar 2014 im Nachtzug nach Teheran fuhr, hatte ich keine Ahnung, was mich erwarten würde. Die Reise war eine spontane Entscheidung gewesen. Gemeinsam mit drei Kommilitonen waren wir einfach in den Semesterferien aufgebrochen, hatten einen günstigen Zug von Ankara nach Teheran gebucht, um 2 Wochen in einem wildfremden Land zu couchsurfen. Nicht wissend, wie gastfreundlich und weltoffen uns die Menschen im Iran begegnen würden. Nicht wissend, wie bereichernd, wie fremd und schön dieses einzigartige Land doch sein kann. Nicht wissend, dass das alte Persien noch immer ein Ort voller geheimnisvoller Freiheit ist – trotz eines korrupten autokratischen Regimes, trotz Kopftüchern, Zensur und Militär.

Haben wir ein falsches Bild vom Iran?

Foto: Ich habe die Iraner als überaus bescheidene und gastfreundliche Menschen erlebt.

Mittlerweile ist der Iran eines meiner Lieblingsländer. Nicht wegen der politischen Situation im Land. Ganz klar. Aber wegen der Menschen, wegen ihrer Gastfreundschaft und ihrem eigentümlichen Feingefühl, ihrem Sinn für Poesie und Architektur, der alles überragt, was ich in Europa bisher finden konnte. Ich habe mittlerweile einige Bekannte im Iran, wir skypen und schreiben, tauschen uns regelmäßig aus. Und jedes Mal bei diesen Gesprächen fällt mir wieder auf, wie verzerrt und eurozentrisch das Weltbild ist, das wir in westlichen Medien vermittelt bekommen. Der Iran ist ein seltsames Tabu, wenn über den Iran berichtet wird, dann meistens, wegen der Gefahr von Atomwaffen. Viele Menschen denken beim Thema Iran sofort an Terror, an Mullahs, an Kopftuch und Frauenunterdrückung. Manche verwechseln den Iran auch gerne mit dem Irak und werfen das Land in dieselbe Tagesschau-Kategorie wie Afghanistan, Saudi-Arabien oder gar Syrien. Ein finsterer Ort also, an den man gar nicht lieber weiter nachdenkt, wenn man zuhause sitzt im sicheren Hamburg, München oder Fulda.

Haben wir ein falsches Bild vom Iran?

Foto: Die Architektur im Iran beeindruckt viele Touristen. Hier eine Kuppel in der Freitagsmoschee in Isfahan.

Diese Woche möchten wir mit The Buzzard ein bisschen Licht in dieses Dunkel bringen – aber weniger von der Perspektive des Touristen, wie das bei mir der Fall war. Sondern von der Perspektive des Politikbeobachters. Wir stellen uns die Frage, inwieweit die westliche Staatengemeinschaft den Iran vielleicht politisch verteufelt. Sollten wir mit dem Iran vielleicht stärker kooperieren, auch wenn das Land eine Autokratie ist? Oder hat Trump doch Recht und der Iran ist ein aggressiver außenpolitischer Feind, auf den man nur mit diplomatischem (und militärischem) Druck reagieren kann, weil man sonst überrumpelt wird? Wie gefährlich ist der Iran wirklich?

Ab Freitag erscheint die neue Debatte, für alle PRO-Leser hier zugänglich. Ich persönlich freue mich ganz besonders auf diese Debatte und erhoffe mir, dass sie vielen Lesern neue politische Perspektiven eröffent auf ein Land, über das in Europa politisch aus meiner Sicht immer noch zu wenig diskutiert wird.

Wer noch nicht dabei ist und unsere Arbeit unterstützen möchte, hier entlang. Wir brauchen jetzt Unterstützung. Sonst können wir The Buzzard ab Anfang 2018 nicht mehr weiter machen!  #Save Journalism

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Wer steckt dahinter?

Dario Nassal
Kommt aus:Gebürtig Stuttgart; jetzt: Leipzig; zuvor: Amsterdam & Mannheim
Politische Position:Findet Politik in Deutschland sollte umweltfreundlicher und sozialer gestaltet sein.
Arbeitet für/als:Gründer & Geschäftsführer bei TheBuzzard.org
Was Sie noch wissen sollten:Dario ist Mitgründer von TheBuzzard.org. Er hat zuvor bei der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG, der STUTTGARTER ZEITUNG und dem MANNHEIMER MORGEN geschrieben und Politikwissenschaften in Mannheim, Istanbul und Amsterdam an führenden europäischen Universitäten studiert.
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