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Raus aus der Kohle? Mit Jamaika wird der Kohleausstieg hochaktuell
Raus aus der Kohle? Mit Jamaika wird der Kohleausstieg hochaktuell

Die Vorbereitungen für die Jamaika-Koalition laufen auf Hochtouren. Am vergangenen Freitag haben sich CDU/CSU, FDP und Grüne zu ersten Sondierungsgesprächen getroffen, in dieser Woche folgen die nächsten Treffen. Wenn es anschließend in die Koalitionsverhandlungen geht, dürfte besonders interessant sein, wie der Kohleausstieg verhandelt wird, denn über den richtigen Umgang mit der „schmutzigen Kohle“ gehen die Meinungen teils weit auseinander. Dass der Ausstieg langfristig kommen muss, ist politisch weitgehend Konsens und Meinung der meisten Wissenschaftler. Das Wann allerdings ist keineswegs geklärt.

Während die Grünen den Ausstieg möglichst schnell fordern, weist die FDP dies scharf zurück. Sie sieht die Energieversorgung der Bürger gefährdet und wirft den Grünen vor, über Nacht Tausende Arbeiter „auf die Straße zu setzen“. Auch die CDU/CSU-Bundestagsfraktion kritisiert das „Hauruckverfahren“ der Grünen, gleichzeitig aus der Atom- und der Kohlekraft auszusteigen und rein ideologiegetrieben ohne Augenmaß zu handeln.

Klar ist, dass Braun- und Steinkohle Klimaschutzkiller sind: Bei keinem anderen Energieträger wird bei der Energiegewinnung so viel CO2 freigesetzt wie bei Kohle. Deswegen hat das Klimaschutzabkommen von Paris dem Abbau von Kohle bereits ein Ende gesetzt, in Deutschland wird zudem die staatliche Subventionierung 2018 aufgehoben. Statt nur selbst zu fördern, importiert Deutschland auch Kohle. Die billigere, wenn auch qualitativ teils schlechtere Importkohle setzt dem hiesigen Industriezweig seit Langem zu. Zudem warnen Gegner des Kohleausstiegs, Deutschland solle sich, auch politisch, nicht zu stark von Energieimporten abhängig machen.

Wo die Bundesregierung schwächelt, könnten die Grünen ein Druckmittel sehen

Auch die Bundesregierung weiß um das Dilemma Kohle. Anfang Oktober 2017 wurde bekannt, dass das Ziel, den Ausstoß von klimaschädigender Treibhausgase im Jahr 2020 um 40 Prozent im Vergleich zu 1990 zu senken, deutlich verfehlt werden wird. Dies könnte Druckmittel für die Grünen in den Verhandlungen sein – Angela Merkel hatte bekräftigt, das Ziel erreichen zu wollen.

Noch ist der Braun- und Steinkohleabbau aber ein wichtiger Wirtschaftszweig in Deutschland. Etwa 41 Prozent des Stroms hierzulande werden aus Kohle erzeugt, außerdem dient das Gestein nach der Verarbeitung der Wärmeerzeugung und der Stahlproduktion. In der Chemieindustrie wird sie zur Herstellung von Schwefel, Teer und Ammoniak verwendet.

Raus aus der Kohle? Mit Jamaika wird der Kohleausstieg hochaktuell

Ganze Regionen und Generationen sind vom Tage- und Bergbau geprägt und hängen von ihr ab. Das Ruhrgebiet war einst pulsierender Kohlemittelpunkt Deutschlands und „Energielieferant der Nation“, 1960 gab es im Ruhrbergbau noch 146 Zechen, danach ging es – auch wegen der Kohlenkrise – steil bergab. Heute gibt es noch zwei Zechen. Die Lausitz ist ein anderes Beispiel. Eine große 360°-Reportage des RBB zeigt anschaulich, was der Kohleausstieg für 8000 Mitarbeiter  bedeutet, die heute noch im Tagebau Jänschwalde mit der größten Förderbrücke der Welt Kohle zu Tage fördern. Dagegen zeigt eine Reportage des Tagesspiegels, dass das knapp eine Autostunde entfernte Großräschen mitten im Strukturwandel steckt: Der frühere Tagebau soll geflutet werden, Badeseen sollen entstehen und Touristen anlocken, das erste Vier-Sterne-Hotel steht schon – allerdings bislang leer. Denn noch fehlt das Wasser, denn der See füllt sich langsamer als geplant und so kommt auch der Strukturwandel ins Stocken.

Bleibt Deutschland Vorreiter im Kampf gegen den Klimawandel?

Mit den Koalitionsverhandlungen wird das Thema Kohleausstieg nun wieder hochaktuell. Bleibt Deutschland Vorreiter im Kampf gegen den Klimawandel oder ist der Schutz der heimischen Industrie wichtiger? Außerdem steht in München am Sonntag ein Bürgerentscheid über die Frage an, ob der Kohleblock eines Kraftwerks bis 2022 vom Netz gehen soll. Deshalb widmen wir uns in dieser Woche dem Thema und beleuchten es von verschiedenen Perspektiven.

In Buzzard Daily lesen Sie im nächsten Teil ein persönliches Stück über einen Oberhausener, der viele Jahre als Schlosser unter Tage gearbeitet, die Schließung “seiner” Zeche miterlebt und einen ganz eigenen Blick auf den Kohleausstieg hat.

Am Freitag geht es für alle Buzzard-Pro-Leser ins Detail: Zur Frage “Sollten wir wirklich raus aus der Kohle?” bieten wir Ihnen eine Bandbreite an Meinungen und informativen Hintergründen zum Thema. Wer an der Meinungsvielfalt interessiert ist, kann hier The-Buzzard-Pro-Leser werden.

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