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Warum mobilisiert die AfD eigentlich so erfolgreich konservative Protestwähler?
Warum mobilisiert die AfD eigentlich so erfolgreich konservative Protestwähler?
(Foto: Olaf Kosinsky | Wikimedia Commons | CC BY-SA 3.0 DE )

Das Argument in Kürze:

Die „Nazi-Keule“ bei der AfD zu schwingen, sei viel zu einfach, argumentiert der Politologe Dr. Erhard Crome im Interview mit dem russischen Nachrichtensender Sputnik Deutschland. Der Erfolg hat viele Gründe. Einer davon: Die AfD greift die Sorgen und Ängste vieler Bürgerinnen und Bürger auf, die sich von der etablierten Parteienlandschaft allein gelassen fühlen. Insbesondere seien das jene Konservativen, die früher noch dem rechten Flügel der CDU angehört haben, aber von Merkels Modernisierung der Partei bitter enttäuscht waren.

Drei Hauptgründe für den Erfolg der rechten Protestpartei

  • Inhaltliche Nähe zu etablierten Parteien: Das Programm der AfD ist demnach gar nicht so weit von der Union und FDP weg, wie manche denken mögen. Es ähnelt wirtschafts- und sozialpolitisch dem Programm der Union und FDP sogar stark in ihrer neoliberalen Ausrichtung. Außerdem beziehe sich auch die AfD auf die Tradition des Konservatismus und Liberalismus in Deutschland sowie das Grundgesetz. Die AfD stammt demnach aus dem „Fleisch vom Fleische des deutschen Bürgertums“ und sei nichts anderes als das, was die CDU der alten Bundesrepublik vor noch einigen Jahrzehnten gewesen ist. Dass solch eine Partei wählbar ist, ist demnach also nicht außerordentlich überraschend.
  • Wenig Konkurrenz: Da die AfD sich als eines ihrer wichtigsten Alleinstellungsmerkmale ganz klar als Protestpartie gegenüber den etablierten Parteien geriert, profitiert sie von der schwächelnden Konkurrenz: Die Linke, die vor einigen Jahren noch von den meisten als klassische Protestpartei wahrgenommen worden ist, ist mittlerweile in drei Landesregierungen vertreten und muss Regierungsverantwortung beweisen. Kein Aushängeschild für eine Protestpartei. Für die AfD war es daher besonders leicht die Wählergruppe aus Zurückgelassenen und Enttäuschten vom Status Quo abzuholen, insbesondere wenn es um die Flüchtlingsfrage ging, die die etablierten Parteien versucht hatten aus dem Wahlkampf „herauszuhalten“.
  • Konservative Alternative: Zuletzt führt Dr. Crome aus, dass die AfD auch wegen ihrer langfristigen Daseinsberechtigung gewählt werde: als rechte Alternative zu Merkels Neue-Mitte-Politik soll sie absichern, dass im Falle eines Auseinanderbrechens der EU ein linkes Bündnis verhindert wird. Für Crome ist das der Hauptgrund, warum die AfD ein bleibendes Element des deutschen Parteienwesens sein werde.

Warum wir diesen Beitrag empfehlen:

Dieser Beitrag bricht mit einigen Klischees: Die AfD sei demnach erstens keine Nazi-Partei und liegt zweitens inhaltlich deutlich näher bei etablierten Parteien wie der Union und FDP, als viele vielleicht gedacht hätten. Die Perspektive des Politologen hilft dabei den Erfolg der nationalkonservativen AfD zu verstehen. Insbesondere der letzte Punkt ist interessant, da er deutlich macht, was bei oberflächlicher Betrachtung häufig unter den Tisch fällt: dass die AfD durchaus ein Gesellschaftskonzept für Deutschland hat, das im komplizierten Parteiengefüge der Bundesrepublik auch langfristig eine Rolle spielen könnte, auch wenn es der großen Mehrheit nicht gefällt.

Wer steckt dahinter?

Erhard Crome
Kommt aus:Deutschland
Politische Position:links
Arbeitet für/als:Politikwissenschaftler, Referent für Friedens- und Europapolitik der Rosa-Luxemburg-Stiftung, Mitbegründer und Mitglied des Beirates der Zeitschrift WeltTrends
Was Sie noch wissen sollten:Die Rosa-Luxemburg-Stiftung ist eine parteinahe Stiftung der Partei Die Linke. Die Stiftung gehört zu den großen Trägern politischer Bildungsarbeit in Deutschland und versteht sich der geistigen Grundströmung des demokratischen Sozialismus zugehörig.
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