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Die AfD lässt sich schnell entzaubern, wenn man nur wollte
Die AfD lässt sich schnell entzaubern, wenn man nur wollte
(Foto: Túrelio | Wikimedia Commons | CC BY-SA 3.0 DE )

Das Argument in Kürze:

Nicht die AfD selbst stellt eine Gefahr für Deutschland dar: Sie ließe sich ziemlich einfach marginalisieren und inhaltlich entzaubern, würde man sie wie eine „normale“ Partei behandeln, argumentiert der progressive politische Blogger Jens Berger auf den Nachdenkseiten. Gefährlich ist eher die Politik der etablierten Parteien sich einzig „gegen die AfD“ zu positionieren, die Trennlinie damit zu stärken und die AfD zu einer echten Alternative zu machen.

Die linke Opposition muss sich als Alternative positionieren und die Protestwähler an sich binden

Berger hält den Einzug der AfD in den Deutschen Bundestag nicht für gefährlich. Er glaubt prinzipiell sei es möglich die AfD leicht zu entzaubern. Man müsse sich nur auf die mauen inhaltlichen Positionen einlassen, um zu zeigen, wie wenig Substanz eigentlich vorhanden ist, und zusehen, wie sich die Partei selbst zerfleischt. In Großbritannien hat das sehr gut geklappt, wo sich unter Jeremy Corbin die Labour-Partei zu einer echten sozialdemokratischen Alternative entwickelt hat. Den Rechtspopulisten wie UKIP hat sie damit den Wind aus den Segeln genommen.

So ähnlich könnte das auch in Deutschland funktionieren, hofft Berger. Während der nationalkonservative Kern in der AfD ihre neue Wahlheimat gefunden zu haben scheinen, bleiben die vielen Protestwähler nämlich erreichbar: „Im Idealfall dadurch, dass man ihnen den Grund für den Protest entzieht, indem man eine gute Politik macht, die dem Neoliberalismus wenn möglich rückabwickelt, gerecht und sozial ist und vor allem auch die abgehängten Menschen in den Provinzen mitnimmt.“ Glauben tut er an seine Hoffnung aber selbst nicht wirklich: SPD und Grüne seien mehr daran interessiert die eigenen Reihen hinter sich zu schließen, indem sie die „AfD-Gegnerschaft als vereinendes Element aus dem Hut zaubern“. Dass man die AfD damit stärkt, werde als achselzuckend als Kollateralschaden verbucht.

Warum wir diesen Beitrag empfehlen:

Jens Bergers treffende Beobachtung der Lebenswirklichkeit von AfD-Wählern und derer Motive entlarvt vielerlei überraschte Kommentare liberaler Leitartikler nach dem Wahlerfolg der AfD als potentiell lebensfremd. Zu weit weg säßen viele von ihnen von den Sorgen der Menschen aus der Provinz. Es wird in diesem Text daher ziemlich gut vermittelt, wie sich diese Menschen fühlen müssen und warum ein weiteres „AfD-Kloppen“ nur zu weiterer Polarisierung und damit dem Erstarken der AfD führen werde anstatt deren Ausbreitung einzugrenzen. Eine interessant selbstkritische Reflexion aus dem linken Bürgertum.

Wer steckt dahinter?

Jens Berger
Kommt aus:Wolfshagen, Deutschland
Politische Position:progressiv, links
Arbeitet für/als:Jens Berger arbeitet als freier Journalist, Sachbuchautor und Wirtschaftsexperte. Er ist politischer Blogger und Redakteur sowie Mitherausgeber der „NachDenkSeiten“. Darüber hinaus war er Herausgeber des Blogs „Der Spiegelfechter“.
Was Sie noch wissen sollten:Der Blog „NachDenkSeiten“ versteht sich als Gegenöffentlichkeit, die aufklären und politische Diskussionen anregen möchte. Die konkrete Zielsetzung ist es nach eigenen Aussagen, etwas gegen die Einseitigkeit und Flachheit der öffentlichen Debatte zu tun. Ausgewählte Beiträge der „NachDenkSeiten“ werden im „Kritischen Jahrbuch“ veröffentlicht.
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