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Weniger Armut nach BGE-Experiment in Namibia
Das BGE ist der einzige Ausweg aus einer Gesellschaft, die immer ungerechter wird
(Foto: katja | Pixabay | CC0 Public Domain )

Das Argument in Kürze:

Weltweit gibt es nur eine Handvoll Studien zu der Frage, inwiefern sich Menschen anders verhalten, wenn man ihnen regelmäßig Geld gibt, ohne Bedingungen, einfach so. Das Feld ist in der Wissenschaft noch relativ neu. Lange herrschte der Glaube vor, Hilfsleistungen wie Arbeitslosengeldzahlungen müssten mit klaren Anweisungen und Verboten verbunden sein, um zur Betätigung und nicht zum Nichtstun anzuregen. Immer mehr Wissenschaftler rütteln nun an den Grundfesten dieser Konvention: bedingungslose Geldzahlungen seien kein Anreiz zum Nichtstun, so die These. Mit dem weltweit ersten Pilotprojekt zum Bedingungslosen Grundeinkommen in dem kleinen Dorf namens Otjivero in Namibia finden Claudia und Dirk Haarmann erste Belege, wie Geldzahlungen ohne geforderte Gegenleistungen zu mehr wirtschaftlicher Aktivität führen und ein erfolgreiches Mittel gegen Armut sind.

BGE bewirkt in Otjivero mehr Arbeit, bessere Bildung und weniger Armut

Das Pilotprojekt in Otjivero im Zentrum des südwestafrikanischen Staates Namibia lief für einen Zeitraum von zwei Jahren von Januar 2008 bis Ende 2009, initiiert von der Namibian Basic Income Grant Coalition, die sich für die flächendeckende Einführung eines Bedingungslosen Grundeinkommens in Namibia einsetzen. Alle der rund 1000 Bewohner Otjiveros, die noch unter 60 Jahre alt waren, bekamen monatlich 100 Namibia-Dollar (rund 15 US-Dollar) ausgezahlt.  Die Ergebnisse waren auf individueller, Haushalts- und Gemeinschaftsebene äußerst positiv:

  • Nach elf Monaten fiel die Armutsquote der Haushalte, die nicht genügend Essen zum Leben hatten, von 76 auf 37 Prozent
  • Die wirtschaftliche Aktivität in Otjivero stieg von 44 auf 55 Prozent an, sodass Bewohner ihr Einkommen durch die Eröffnung von Ziegelsteinproduktionsstätten, Bäckereien und Nähwerkstatten erhöhen konnten
  • Das BGE führte außerdem zu einer besseren Ernährung von Kindern, höheren Anwesenheitsraten in Schulen, nahezu keinen weiteren Austritten aus der Schule (vorher waren es 40 Prozent), häufigeren Arztbesuchen, was früher mit 4 Namibia-Dollars pro Arztbesuch für viele zu teuer war und das BGE führte dazu, dass Haushalte ihre Schulden zurückzahlen konnten
  • Die Kriminalität ist in der Region zurückgegangen und die Befürchtung, dass der Alkoholkonsum in der Bevölkerung stark ansteigen würde, konnte empirisch nicht belegt werden
  • Gefördert wurde die positive Entwicklung vermutlich durch ein 18-köpfiges Komitee aus Vertretern der Dorfgemeinschaft, das sich selbstständig gebildet hat, um die Dorfbewohner zu motivieren, ihr Grundeinkommen möglichst weise und gewinnbringend für alle einzusetzen

Warum wir diesen Beitrag empfehlen:

Der erste und zweite Projektbericht der Wissenschaftler Claudia und Dirk Haarmann (wir verlinken unten den zweiten) zerstreut die Bedenken, dass bedingungslose individuelle Geldzahlungen nicht von Vorteil für eine Gesellschaft sein können. Der Bericht zu Otjivero gehört daher zur Pflichtlektüre für jeden, der meint sich mit der Idee des BGE auseinandergesetzt zu haben. So positiv die empirischen Ergebnisse des Pilotprojekts in Namibia allerdings scheinen, so sehr wurden sie auch kritisiert: zum Beispiel von Rigmar Osterkamp, der den Piloten als „verpasste Chance“ bezeichnet. Seine Hauptkritik: das Fehlen einer Kontrollgruppe und der Daten über die gesamte letzte Hälfte der Feldstudie sowie seine Zweifel an der neutralen Expertise der Forschungskongregation, nüchterne und faktengetriebene Forschung zu betreiben.

Wer steckt dahinter?

Claudia & Dirk Haarmann
Kommt aus:Deutschland
Politische Position:setzen sich in der BIG Coalition für ein Bedingungsloses Grundeinkommen in Namibia ein
Arbeitet für/als:Leiter des 'Theological Institute for Advocacy and Research in Africa' (LUCSA-TARA) und Pastoren der "Evangelical Lutheran Church in the Republic of Namibia" (ELCRN)
Was Sie noch wissen sollten:Claudia und Dirk Haarmann arbeiteten für unterschiedlichste Forschungseinrichtungen in Südafrika und Namibia. Seit 1995 sind sie verheiratet.
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