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Das BGE vernachlässigt individuelle Bedürfnisse
Das BGE ist der einzige Ausweg aus einer Gesellschaft, die immer ungerechter wird
(Foto: Alexas_Fotos | Pixabay | CC0 Public Domain )

Das Argument in Kürze:

Ist das Bedingungslose Grundeinkommen ein Patentrezept zur Bekämpfung komplexer sozialer Probleme? Marcel Fratzscher, Leiter des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, bezweifelt das stark. Das BGE sei zum Scheitern verurteilt, weil es einer Gesellschaft im Wandel nicht gerecht werden könne. Statt den Sozialstaat weiter auszubauen müssten soziale Leistungen viel mehr an die speziellen Bedürfnisse des Einzelnen angepasst werden.

Förderung individueller Bedürfnisse statt Gießkannenprinzip

Mehr Autonomie und Gestaltungsfreiheit für das Leben findet Fratzscher genauso wichtig wie BGE-Befürworter. Nur sei das BGE hierfür nicht der richtige Weg. Eine Studie der OECD vom Mai 2017 bestätigt Fratzschers Meinung: Würde der Staat sein bisheriges Sozialbudget für ein Bedingungsloses Grundeinkommen ausgeben, würden die Sozialleistungen um mehr als die Hälfte des jetzigen Standes sinken. Könnte man also nicht einfach zusätzlich zu den Sozialleistungen das BGE einführen? Das sei finanziell nicht tragbar, meint Fratzscher.

Außerdem lasse das BGE die konkreten Bedürfnisse von Sozialleistungsbeziehern völlig außer Acht: Beispielsweise wäre laut Fratzscher einem arbeitslosen Hartz-IV-Empfänger mehr durch gezielte Förderung und Unterstützung bei der Berufsqualifikation und Jobsuche geholfen als durch ein Bedingungsloses Grundeinkommen. Genauso profitiere eine von Armut bedrohte alleinerziehende Mutter weniger von einem BGE, sondern mehr von einer besseren Bildungs- und Betreuungsstruktur oder eines flexibleren Arbeitsmarktes.

Warum wir diesen Beitrag empfehlen:

Manche Gegner des Bedingungslosen Grundeinkommens treten für den Abbau des Sozialstaates ein. Fratzscher wirft jedoch einen neuen Punkt auf und argumentiert, dass bestehende Leistungen stattdessen verbessert werden müssen. Neu ist auch seine Verurteilung des BGE als Patentrezept. Diese Sichtweise legt dar, dass die Komplexität der zu lösenden Probleme noch deutlich mehr als bisher in Betracht gezogen werden muss.

Wer steckt dahinter?

Marcel Fratzscher
Kommt aus:Deutschland
Politische Position:unklar
Arbeitet für/als:Ökonom, Leiter des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung und Professor für Makroökonomie an der Humboldt-Universität zu Berlin
Was Sie noch wissen sollten:Fratzschers Forschung konzentriert sich zumeist auf angewandte Fragen der internationalen Makroökonomie, monetären Ökonomie und Finanzwissenschaft. Jedoch wurde ihm in der Vergangenheit mehrfach vorgeworfen, technisch krude und vorschnelle Studien zu veröffentlichen, die genaueren Untersuchungen nicht standhalten.
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