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Das BGE ist keine Lösung für den Wandel unserer Industriegesellschaften
Das BGE ist der einzige Ausweg aus einer Gesellschaft, die immer ungerechter wird
(Foto: 1820796 | Pixabay | CC0 Public Domain )

Das Argument in Kürze:

Es ist eine Entwicklung, die kaum aufzuhalten ist: Berufe, die früher Menschen  machten, werden jetzt von Robotern und Software erledigt. Die Automatisierung schreitet rapide voran. Das führt dazu, dass immer mehr Arbeitsplätze gefährdet sind – und damit auch ein sicheres Einkommen aus der Lohnarbeit. Das Bedingungslose Grundeinkommen (BGE), so die Idee, könnte dieses Problem lösen. Der österreichische Journalist Joseph Grepp allerdings bezweifelt diese Logik. Denn wenn das System weiterhin nur über die Steuerabgaben von Erwerbstätigen finanziert würde, von denen es ja aber – aufgrund der Automatisierung – immer weniger gibt, dann würde unser System unter dieser Last kollabieren.

Die Umsetzung des Bedingungslosen Grundeinkommens wirft viele Fragen auf

Grepp erkennt zwar an, dass Menschen durch ein Bedingungsloses Grundeinkommen deutlich besser gestellt wären, weil ihre Existenz nicht mehr von Lohnarbeit abhinge; er sieht aber erhebliche Probleme bei der Umsetzung und Finanzierbarkeit: Individuell wichtige Bedürfnisse, für die bislang im großen Teil der Sozialstaat aufkommt, können nicht durch die Auszahlung eines Grundeinkommens kompensiert werden. So zum Beispiel das Bedürfnis im Alter umfassend gepflegt zu werden: Kaum ein BGE-Empfänger könne es sich leisten die Pflegeleistungen durch das Grundeinkommen alleine zu finanzieren, und der Sozialstaat wäre durch die erheblichen Ausgaben für das BGE deutlich geschwächt. Die Folge wäre, dass viele der individuellen Bedürfnisse in einer Gesellschaft dann nicht mehr ausreichend befriedigt werden können.

Dazu kommt, dass Wege diese Kostenfalle zu lösen, ebenfalls Sackgassen sind: Der Staat könnte zum Beispiel die Einkommensteuer erhöhen. Dies würde laut Grepp jedoch zu Frust unter den Arbeitnehmern führen – immer weniger Menschen wären dann noch motiviert zu arbeiten. Eine andere Möglichkeit wäre, das Bedingungslose Grundeinkommen stattdessen auf das bestehende Einkommen anzurechnen. Hier sieht Grepp aber die Gefahr, dass Schwarzarbeit enorm zunehmen würde. Klar, Arbeiter würden versuchen einen höheren Lohn vor den Behörden zu verstecken. Obwohl ein hoher Arbeitswille in der Bevölkerung bereits durch Studien belegt worden ist, glaubt Grepp, dass das BGE zum Scheitern verurteilt ist, wenn weiterhin wegen der Technisierung zu wenige Arbeitsplätze vorhanden sind und somit auch weniger Geld in die Staatskasse fließt.

Warum wir diesen Beitrag empfehlen:

Grepps Beitrag ist eine neutrale und sehr detaillierte Betrachtung der Debatte. Der Journalist erkennt die positive Grundidee hinter dem Bedingungslosen Grundeinkommen an, stellt aber trotzdem kritische Fragen zur Umsetzung. Eine lesenswerte Abhandlung für alle im deutschsprachigen Raum. Auch wenn Grepps Fokus auf Österreich liegt.

Wer steckt dahinter?

Joseph Gepp
Kommt aus:Österreich
Politische Position:offiziell unparteiisch
Arbeitet für/als:Blogger, Autor, Journalist, schreibt für Profil
Was Sie noch wissen sollten:Gepp wurde mit mehreren Journalistenpreisen ausgezeichnet. Er beschäftigt sich in seinen Artikeln u.a. mit den Ursachen und Folgen mit der Finanz- und Wirtschaftskrise und den vielschichtigen Verbindungen zwischen Österreich und Osteuropa.
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