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BGE-Piloten in Indien: Fortschritt in der Armutsbekämpfung auf allen Ebenen
Das BGE ist der einzige Ausweg aus einer Gesellschaft, die immer ungerechter wird
(Foto: geralt | Pixabay | CC0 Public Domain )

Das Argument in Kürze:

Pilotstudien zum Bedingungslosen Grundeinkommen sind seit einigen Jahren immer mehr en vogue. Was Viele nicht wissen: neben Finnland und Namibia wurde auch Indien in einigen ländlichen  Gemeinden ein groß angelegtes Pilotprojekt durchgeführt. Genauer gesagt sogar zwei – mitinitiiert von dem anerkannten britischen Ökonomen und bekannten BGE-Anhänger Guy Standing. Das Ganze war ein großer Erfolg, wie sich an den durchweg positiven Forschungsergebnissen zeigt.

Versuche in Indien belegen positive Effekte des BGE

Die beiden Pilotprojekte wurden im Indore District in Madhya Pradesh durchgeführt. Ausgewählt wurden 20 Dörfer. Acht der Dörfer erhielten BGE in Höhe von anfangs 200 (100 für jedes Kind) und später 300 (200 für jedes Kind) Rupien monatlich für jeden ihrer Bewohner. Die anderen zwölf dienten als Kontrollgruppe und bekamen kein BGE. Als Vergleichsexperiment wurden zwei örtliche Stämme (tribal villages) ausgewählt, von denen eines das BGE ausgezahlt bekam (300 Rupien) und das andere zu wissenschaftlichen Kontrollzwecken nicht.

Die Effekte sind größtenteils positiv und im hier empfohlenen Buch von Guy Standing, Sarath Davala und Kollegen auf mehr als 500 Seiten nachzulesen:

  • Insgesamt hat sich die wirtschaftliche Lage, die Gesundheitsversorgung und die Ausbildung der Kinder deutlich verbessert
  • Im Gegenteil zu anderweitigen Befürchtungen ist die Arbeitsmoral nicht gesunken: Stattdessen hat ein interessanter Umschwung stattgefunden weg von Tagelöhner-Tätigkeiten der Arbeiter in umliegenden Städten hin zu verstärkter lokaler Unternehmertätigkeit und professionalisierter Landarbeit auf eigenen Ländereien
  • Die gestiegene Liquidität führte auch zu mehr lokalen Investitionen, die zu vermehrter Produktion von Gütern führten, die aufgrund der gestiegenen Nachfrage auch zu einem größeren Gesamtumschlag und damit zu mehr Wachstum führten
  • Viele Bewohner konnten außerdem ihre Schulden abzahlen oder sogar für die Zukunft etwas Geld beiseitelegen
  • Das BGE hat die Verhandlungsposition benachteiligter Personengruppen erheblich gestärkt – zum Beispiel die Verhandlungspositionen von Frauen, aber auch die von Menschen aus niedrigeren Kasten und die von Behinderten
  • Viele Menschen haben begonnen sich hochwertiger zu ernähren: Menschen kaufen nicht mehr nur noch von kleinen Einkaufsläden mit wenigen Vorräten, sondern gehen zu größeren Märkten mit deutlich besserer Auswahl an hochwertigen Lebensmitteln – frische Früchte, Gemüse und Obst. Spür- und messbar ist diese Entwicklung vor allem daran, dass sich das Gewicht von kleinen Kindern normalisiert. Insbesondere das von jungen Mädchen.
  • Auch die Bildung vieler Kinder hat sich deutlich verbessert: mehr Eltern können ihre Kinder zur Schule schicken. Endlich können sie sich jetzt die Transport- und Materialkosten für Schulbücher und Schreibutensilien besser leisten.

Warum wir diesen Beitrag empfehlen:

Fairerweise muss gesagt sein, dass es sich an dieser Stelle nicht um einen einzelnen Beitrag handelt, den wir empfehlen, sondern um ein ganzes Buch. Das Buch geht detailliert auf den Versuchsaufbau und die Forschungsergebnisse der beiden groß angelegten Pilotprojekte in Indien ein. Da für wissenschaftliche Texte verhältnismäßig leicht geschrieben, können wir die Lektüre jedem ans Herz legen, der sich beruflich oder ernsthaft mit der Materie tiefergehend beschäftigen will. Denn eines wird an dieser Stelle deutlich: Das BGE ist nicht nur ein mögliches Mittel zur Bekämpfung von Abstiegsängsten in westlichen Gesellschaften, es scheint das Potential in sich zu tragen einige der größten sozio-ökonomischen Probleme unserer Zeit in Schwellen- und Entwicklungsländern erfolgreich zurückzudrängen. Und die negativen Folgen scheinen deutlich geringer zu sein, als in öffentliche Diskussionen hierzulande vermittelt wird.

Wer steckt dahinter?

Guy Standing 
Kommt aus:Vereinigtes Königreich
Politische Position:unterstützt die Labour Party (Sozialdemokratie)
Arbeitet für/als:Wirtschaftswissenschaftler, Professor für „Development Studies“ an der University of London, Mitgründer des Basic Income Earth Network (BIEN)
Was Sie noch wissen sollten:Das BIEN ist ein globales Netzwerk, das ein Bedingungsloses Grundeinkommen mit Kongressen, Forschung und Lobbyarbeit voranbringen will. Die Organisation ist Mitinitiator der 2008 von Günter Sölken ins Leben gerufenen, jährlich stattfindenden Internationalen Woche des Grundeinkommens.
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