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BGE-Experiment in Finnland: Probanden nehmen mehr Jobs an als zuvor
Das BGE ist der einzige Ausweg aus einer Gesellschaft, die immer ungerechter wird
(Foto: Max Pixel | Max Pixel | CC0 Public Domain )

Das Argument in Kürze:

Es ist eine heiße Frage, auf die Juha Sipilär, Premierminister der finnischen mitte-rechts Regierung,  Antworten sucht: Werden Menschen mehr oder weniger Jobs annehmen, wenn sie ein Bedingungsloses Grundeinkommen bekommen? Um diese Frage empirisch beantworten zu können, hat die finnische Regierung die bis dato größte Pilotstudie zum Bedingungslosen Grundeinkommen auf europäischem Boden ins Leben gerufen: Für zwei Jahre erhalten 2000 Menschen jeden Monat 560 Euro – ohne, dass von ihnen dafür eine Gegenleistung gefordert wird. Journalistin Katharina Matheis wie sich das bereits nach ein paar Monaten auf die BGE-Empfänger auswirkt.

Grundeinkommen dient als Anreizeffekt

Das Sozialexperiment in Finnland läuft bereits seit Anfang des Jahres 2017. Kurz zuvor sind 2000 Briefe in blauem Umschlag versendet worden an 2000 in Finnland lebende Arbeitslose. Der Absender: Kela, die Sozialbehörde Finnlands. Die frohe Kunde: jeder der Empfänger bekommt von nun an jeden Monat und für einen Zeitraum von zwei Jahren 560 Euro ausgezahlt. Bedingungslos. Der vormalige Zwang zur Arbeitssuche, Weiterbildung oder der Anrechnung von jedem zusätzlich verdienten Euro auf das Arbeitslosengeld entfällt damit mit sofortiger Wirkung. Die ersten Ergebnisse dieser Studie zeigen: Das Grundeinkommen hat einen positiven Effekt auf die Probanden. Menschen, die zuvor arbeitslos waren, nehmen jetzt einen Job an. Sie zahlen damit auch mehr Steuern und geben mehr Geld für Konsum aus. Außerdem gibt es mehr Unternehmensgründungen. Der Grund: weniger Existenzangst. Und woher kommt der positive Beschäftigungseffekt? Angeblich ist es so, dass Arbeitslose zuvor oft deshalb keinen Job angenommen haben, weil die wegfallenden Abzüge beim Zuverdienst und die Sanktionen schlicht demotivierend waren: Für Arbeitslose hat es finanziell einfach keinen spürbaren Unterschied gemacht, ob sie arbeiten gehen oder nicht.

Gefahr der Schwarzarbeit und Lohndumpings

Die BGE-Empfängerin Steffie Eronen befürchtet trotz der für sie überwiegend positiven Effekte des Grundeinkommens, dass bei flächendeckender Einführung des Grundeinkommens Unternehmen in Finnland in Zukunft Löhne drücken könnten. Die Menschen hätten durch die Existenzsicherung ja ohnehin schon genug Geld zum Leben. Der Ökonom Ernst Fehr geht noch einen Schritt weiter: Bei gut einem Zehntel der Bevölkerung befürchte er, dass sie eine Sub-Kultur bilden würden, die nur noch vollständig vom Grundeinkommen und etwas Schwarzarbeit leben würde. Ein Szenario, das aus seiner Sicht mit den Gerechtigkeitsvorstellungen der Menschen in westlichen Gesellschaften nur sehr schwer vereinbar wäre.

Warum wir diesen Beitrag empfehlen:

Das Wissen um erste empirische Ergebnisse der Pilotstudie in Finnland ist unverzichtbar, um versiert über die Einführung eines Bedingungslosen Grundeinkommens zu diskutieren. Ohne empirische Belege blieben Auseinandersetzungen nur theoretischer und philosophischer Natur, insbesondere wenn die Argumente sich auf die vermeintlichen Effekte von Grundeinkommenssystemen beziehen. Es muss dazugesagt werden, dass das Experiment in Finnland außerdem als ein Beispiel für das „neoliberale Modell“ des Grundeinkommens gilt. Durch seine relativ geringen Höhe ist es als Arbeitsanreiz gedacht. Dieses BGE-Modell steht dem „humanistischen Modell“ diametral entgegen. Bei letzterem soll die Bevölkerung gänzlich vom Zwang befreit werden, nur über Lohnarbeit ein anständiges  Auskommen zu genießen. Das klassische Beispiel für das humanistische Modell ist das in der Schweiz im Sommer 2016 zur Abstimmung gestellte und von den Volksbürgern mehrheitlich abgelehnte Modell, bei dem alle Schweizer (Erwachsenen) 2500 Franken im Monat zur Verfügung gestellt bekommen hätten.

Wer steckt dahinter?

Katharina Matheis
Kommt aus:Deutschland
Politische Position:unklar
Arbeitet für/als:Redakteurin im Ressort Blickpunkte bei WirtschaftsWoche
Was Sie noch wissen sollten:Seit Anfang 2013 betreibt die WirtschaftsWoche mit WiWo Green ein Portal rund um die grüne Wirtschaft. Die Themen sind neben erneuerbarer Energie und nachhaltigen Unternehmensstrategien auch Innovationen aus den Bereichen Mobilität, Megacities und Geldanlage.
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