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Warum Nordkorea eine Atommacht sein will
Warum Nordkorea eine Atommacht sein will
(Foto: OpenClipart-Vectors | Pixabay | CC0 Public Domain )

Das Argument in Kürze:

Max Fisher von den New York Times stellt sich die Frage aller Fragen: Wie kann man Nordkorea von seinem irrwitzigen Atomwaffenprogramm abbringen und damit das Risiko aus dem Weg räumen, dass es tatsächlich irgendwann zum Einsatz von Atomwaffen kommt und dass Millionen von Menschen in einer sinnlosen Eskalation von Gewalt und Gegengewalt sterben müssten? Seine Aussicht ist pessimistisch: Die Atomwaffen sind für das Überleben des nordkoreanischen Regimes so wichtig geworden, dass es schier unmöglich ist, das Regime jetzt noch dazu zu bringen, atomar abzurüsten.

Das haut laut Fisher folgende Gründe:

1) Die Atomwaffen sind wichtig für die interne Stabilität des Regimes

Seit den 1990ern beruht die Macht der nordkoreanischen Führung darauf, dass der eigenen Bevölkerung ständig vorgetäuscht wird, es könne bald zum Krieg kommen. Pjöngjang provoziert Eskalation auf der Weltbühne, um Aufrüstung und Kriegsmobilisierung intern zu rechtfertigen und zum Dauerzustand zu erheben. So sichert sich die autokratische Regierung zumindest etwas Legitimität – in einem Staat der wirtschaftlich und moralisch bankrott ist.

2) Die Atomwaffen sind die einzige Möglichkeit sich gegen die USA abzusichern

Das nordkoreanische Regime weiß, dass es militärisch nur gegen die US-Streitkräfte ankommen kann, wenn es das höchste aller Risiken bewusst in Kauf nimmt: das Risiko eines atomaren Vergeltungsschlages. Die Atomwaffen sind das einzige Ass, das Nordkorea hat. Das wissen auch die USA. Aber genau das macht die Situation so ausweglos. Weil Nordkorea nur mit Atomwaffen wirklich drohen kann, droht das Regime damit bei jeder Gelegenheit. Deshalb gibt es nichts, was die USA tun können. Jede militärische Bewegung könnte dazu führen, dass Pjöngjang den Schalter drückt. Und dieses Risiko will kein US-Stratege verantworten, argumentiert Fisher.

3) Man kann den Nordkoreanern die Atomwaffen nicht mehr nehmen

Im Gegensatz zu Staaten wie dem Irak unter Sadam Hussein, der für Massenvernichtungswaffen auf Zulieferungen von außen angewiesen gewesen wäre, ist das nordkoreanische Atomwaffenprogramm als nationales Projekt hochgezogen worden. Das bedeutet: Selbst bei Lieferstopps auf einzelne Bestandteile, Engpässen oder Cyberattacken kann Nordkorea ihr Atomwaffenprogramm immer wieder selbst aufbauen; das Wissen, wie Uran und Plutonium angereichert werden und wie man daraus Langstreckenraketen konstruiert, ist aller Wahrscheinlichkeit nach schon längst in Nordkorea gesichert. Das lässt sich nicht mehr rückgängig machen. Und auf diesen militärischen Trumpf zu verzichten, würde Nordkorea nur in Kauf nehmen, wenn die USA ihr Bündnis mit Südkorea aufgibt. Das wiederum ist für die USA ein zu hoher Preis, weil es die Diplomatie im gesamten Südchinesischen Meer auf den Kopf stellen würde.

Warum wir diesen Artikel empfehlen: Zugegeben, pessimistische Artikel zu lesen macht nicht immer Spaß. Fishers Beitrag analysiert die ausweglose Lage aber sehr detailliert und gibt uns viel Einsicht in die politischen Strategien, die für Nordkorea vermutlich eine große Rolle spielen in diplomatischer Verhandlung und militärischer Provokation.

Wer steckt dahinter?

Max Fisher
Kommt aus:USA
Politische Position:unklar
Arbeitet für/als:Journalist, schreibt für The New York Times
Was Sie noch wissen sollten:Für the NY Times schreibt Fisher The Interpreter, eine News-Spalte und einen Newsletter, die die Ideen und den Kontext hinter den großen Weltveranstaltungen erforschen. Fisher nutzt Politik- und Sozialwissenschaft, um Themen von Autoritarismus bis zu Rüstungskontrolle zu untersuchen und zu erklären.
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