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Nordkorea will Atomwaffen zur Abschreckung, nicht zum Abschuss
Nordkorea will Atomwaffen zur Abschreckung, nicht zum Abschuss
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Murals_of_Kim_Il-sung_and_Kim_Jong-il_01.JPG" target="_blank">Foto: Nicor | Wikimedia Commons | CC BY-SA 3.0 )

Das Argument in Kürze:

Wie gefährlich ist Nordkorea für die Vereinigten Staaten von Amerika wirklich? Dieser Frage geht der Verteidigungsexperte und Militärstratege Charles Peña in diesem Beitrag nach. Er argumentiert, dass die nukleare Gefahr, die von der Kim-Dynastie ausgeht, bei weitem überschätzt werde. Dem Machthaber Kim-Jong-un gehe es um das politische Überleben seiner Dynastie. Atomar bestückbare Langstreckenraketen werden demnach nicht benötigt, um die USA und andere Staaten anzugreifen, sondern um sie abzuschrecken und das Eingreifen Dritter zu verhindern.

Kim Jong-un ist nicht verrückt

Das Szenario bei ungünstigster Entwicklung, gegen das sich US-Militärstrategen geschützt wissen wollen, ist der Extremfall: Ein nordkoreanisches Regime schießt eine mit atomaren Sprengkörpern ausgerüstete Langstreckenrakete auf das US-amerikanische Festland und gefährdet damit Millionen von US-Bürger. Zurzeit ist das noch nicht möglich. Nordkorea besitzt zwar Atomwaffen, aber keine Langstreckenraketen, die es bis auf das Territorium der USA schaffen. Doch aus US-Sicht ist das nur eine Frage der Zeit. Charles Peña hält dieses Risiko für übertrieben: „Man müsste glauben, dass Kim Jong-un selbstmordgefährdet ist, um ernsthaft zu glauben, dass er Amerika oder irgendeine andere Atommacht angreifen würde.“ Dafür spricht aber nur wenig: Wie sein Großvater und Vater gehe es dem amtierenden Machthaber Kim Jong-un viel mehr darum, seine Kim-Dynastie zu bewahren. Dafür spricht zum Beispiel, dass es seit dem Ende des Koreakrieges zwar nicht gerade durch das Einhalten internationaler Verträge aufgefallen ist, aber zumindest seit 60 Jahren kein anderes Land aktiv angegriffen hat – auch nicht Südkorea (mit Ausnahme einzelner Ereignisse und Raketenabschüsse). Obwohl das für das kommunistische Regime aufgrund seiner riesigen konventionellen Armee ein Leichtes gewesen wäre. Die wichtigste Erkenntnis ist also, dass Jong-un glaubt, dass er Atomwaffen braucht, um sich und sein Regime zu beschützen.

Die USA sollten ihrerseits mit militärischen Provokationen aufhören

Ein kluges strategisches Verhalten der USA müsse demnach ein anderes ein. Anstatt ihre Kriegsflotte vor die Küste Nordkoreas zu versetzen, sollte die Trump-Regierung Ruhe bewahren und keine falschen Signale senden. Gefährlich wird es erst, so Peña, wenn der nordkoreanische Machthaber in eine Ecke getrieben wird und das Gefühl hat, er könne nichts mehr verlieren. Bis dahin gelte es darum zu gehen, kühlen Kopf zu bewahren und sich militärisch zurückzuhalten. Jeder militärische Schlag würde andernfalls eine militärische Reaktion Pjöngjangs heraufbeschwören, die die USA deutlich mehr Kosten als Nutzen bringt.

Warum wir diesen Beitrag empfehlen:

Der Beitrag von Charles Peña besticht mit einer analytischen Sprache und tiefer Sachkenntnis. In weniger als 1000 Worten schafft es der Autor, einem klarzumachen, warum militärische Interventionen und damit die gesamte aktuell angewandte Strategie der US-Regierung genau der falsche Schritt sind, um den Frieden zu wahren. Ein spannender Debattenbeitrag.

Wer steckt dahinter?

Charles V. Peña
Kommt aus:USA
Politische Position:offiziell unparteiisch
Arbeitet für/als:ehemaliger Leiter der Defense Policy Studies am Cato Institut und Berater des Straus Military Reform Project, schreibt u.a. für The National Interest, Washington Post, USA Today, Wall Street Journal, Financial Times und The Guardian
Was Sie noch wissen sollten:Peña war Senior Fellow an der Coalition for a Realistic Foreign Policy. Diese Koalition ist eine Gruppe von US-Wissenschaftlern, Politikern und Bürgern, die sich gegen die derzeitige US-Außenpolitik aussprechen. Sie stellen infrage, wie wirksam die Verwendung von militärischer Gewalt und diplomatischem Druck ist, um Ziele der politischen und wirtschaftlichen Liberalisierung zu erreichen.
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