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Ein Krieg ist nicht auszuschließen
Ein Krieg ist nicht auszuschließen
(Foto: TSGT James Mossman, U.S. Air Force | Wikimedia Commons | CC0 Public Domain )

Das Argument in Kürze:

Keine der am Nordkorea-Konflikt beteiligten Mächte hat ein Interesse am Krieg, selbst der nordkoreanische Diktator Kim Jong-un nicht, argumentiert der Sicherheitsexperte Jim Walsh entgegen der Haltung vieler US-Strategen. Und dennoch, so die unverblümte Warnung in diesem Artikel, ist die Gefahr eines unbeabsichtigten Krieges nicht gebannt.

Jim Walsh nennt drei Gründe, warum die Bedingungen für den seltenen Kriegsfall in diesem Konflikt erfüllt sind.

Es gibt gute Gründe für einen ungewollten Krieg

Kaum ein Land ist so isoliert und wird so wenig verstanden wie Nordkorea. Der Grund: Formale diplomatische Gespräche finden kaum bis gar nicht statt. Deshalb ist es den Gegenspielern Pjöngjangs vollkommen unklar, wann Kim Jong-uns Drohgebärden einen Bluff oder tatsächlich eine rote Linie darstellen, die, wenn Provokationen zum Beispiel der USA zu weit gingen, zu militärischen Aktionen von Seiten Pjöngjangs führen würden. Was die Situation nicht gerade leichter macht, sei außerdem die verworrene Verhaltensweise der US-Regierung, mit Trumps mitternächtlichen Tweets, widersprüchlichen Aussagen von US-Generälen und Drohungen des US-Präsidenten, die offensichtlich Bluffs sind: „Wie soll Pjöngjang diese US-‚Signale‘ interpretieren?“, fragt Walsh.

Der dritte Punkt könnte der wichtigste sein, der diese Lage so gefährlich macht: Kim weiß, dass er den Südkoreanern und US-Amerikanern in einem konventionellen Krieg klar unterlegen wäre. „Wenn ich Herr Kim wäre“, so der Sicherheitsexperte Walsh, „und wüsste, meine Feinde könnten meine militärischen Kapazitäten relativ früh in einem Konflikt auslöschen, dann würde mein Finger ziemlich nervös auf dem Abzug sitzen.“ Sollte es dann zu einem Krieg kommen, wäre im Falle einer bevorstehenden Niederlage auch nicht mehr auszuschließen, dass Kim eine Atombombe zündet. „Die gute Nachricht ist, dass dieses Szenario unwahrscheinlich ist“, fügt Walsh hinzu. Die schlechte jedoch sei, dass das Szenario möglich ist, und das Resultat weitaus schlimmer sein würde, als man sich vorstellen kann.

Warum wir diesen Beitrag empfehlen:

Jim Walsh bringt die Vielschichtigkeit des Konflikts mit Nordkorea ziemlich gut auf den Punkt. Er vertritt die überraschende These, dass eigentlich niemand ein Interesse an einem militärischen Konflikt hat (selbst das „aggressive“ Nordkorea nicht!), es aber dennoch zu einem Krieg kommen könnte, selbst wenn alle Beteiligten rational denken und handeln. Dieser Punkt ist interessant, denn der Grund für die Gefährdung, von der viele sprechen, liegt demnach nicht einzig bei Nordkoreas Verhalten, sondern ist eng verbandelt mit den Interessen, Machtverhältnissen und Verhaltensweisen der anderen beteiligten Akteure im Konflikt.

Wer steckt dahinter?

Jim Walsh
Kommt aus:USA
Politische Position:unklar
Arbeitet für/als:leitender wissenschaftlicher Mitarbeiter bei MITs (Massachusetts Institute of Technology) Security Studies Programm, schreibt u.a. für the New York Times, the New York Review of Books, Washington Post und Wall Street Journal
Was Sie noch wissen sollten:Walsch ist ein anerkannter Experte für internationale Sicherheit. Sein Forschungsschwerpunkt liegt vor allem auf solchen Themen wie Atomwaffen, Naher Osten und Ostasien.
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