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Die USA sollten Nordkorea als Atommacht akzeptieren
Die USA sollten Nordkorea als Atommacht akzeptieren
(Foto: Kim Wing summialo | Wikimedia Commons | CC BY-SA 4.0 )

Das Argument in Kürze:

Wie lässt sich eine ideale Lösung des Konflikts mit Nordkorea herbeiführen: also ein Szenario, in dem Nordkorea weder atomare Langstreckenraketen besitzt noch eine unmittelbare Gefahr von militärischen Auseinandersetzungen bevorsteht? Gar nicht, so die Antwort des in Tokyo lehrenden Politikwissenschaftlers Stephen Nagy. Solch eine Ideallösung des Konflikts werde es nicht geben. Nichtsdestotrotz hat es die USA in der Hand die Region mittelfristig zu befrieden – allerdings ohne militärische Intervention und nur durch die Akzeptanz Nordkoreas als Atommacht.

Die USA müssen Zugeständnisse machen, um Frieden zu wahren

Die Lösung, die nachhaltig Frieden in der Region sichern kann, erfordert jede Menge diplomatisches Geschick und Kompromissbereitschaft der Beteiligten. Denn ohne Kosten für die USA, China, Japan und Südkorea würde kein Frieden mit Nordkorea möglich sein. Laut Nagy könnte diese Lösung folgendermaßen aussehen: Die USA kehrt mit Nordkorea an den Verhandlungstisch zurück und akzeptiert erstmalig, dass Nordkorea ein Atombombenarsenal aufgebaut hat. Im Gegenzug verpflichtet sich Nordkorea, entweder sein Arsenal zu begrenzen und/oder Schritt für Schritt zurückzufahren, wofür China Nordkorea in sein atomares Schutzschild aufnimmt. Die USA würden dann einen Friedensvertrag unterzeichnen, und Südkorea und Japan müssten sich verpflichten, Konflikte mit Nordkorea nicht auf militärischem Weg auszutragen.

Diese Lösung wäre deshalb vorteilhaft, weil es die Interessen aller Beteiligten zusammenführt:

  • Nordkorea würde durch einen Friedensvertrag mit den USA formal die Sicherheit zugesichert bekommen, die die Kim-Dynastie sich wünscht.
  • China behält Nordkorea als autonom agierenden pro-chinesisch eingestellten Bündnispartner und als geostrategisch wichtige Pufferzone zwischen China und dem pro-amerikanisch eingestellten Südkorea.
  • Südkorea bliebe zwar von Nordkorea abgespalten, aber hätte wenigstens Grund zur Hoffnung, dass ihr Nachbarstaat als Folge der verbesserten Sicherheitslage einen weniger aggressiven und militaristischen Weg einschreitet und mehr auf sozio-ökonomische Entwicklung und nachbarschaftliche Synergien setzt.
  • Die potentiell sinkende Aggressivität Nordkoreas könnte mittelfristig den Anreiz der Südkoreaner und Japaner nehmen, ebenfalls militärisch aufzurüsten, was China entgegen kommen würde.
  • Die USA, Südkorea und Japan würden ihr Verhältnis zu China verbessern und politisches Kapital schaffen, sollte sich China dazu entschließen eine Führungsrolle in einem neuen Kurs der südostasiatischen Entspannungspolitik zu übernehmen.

Warum wir diesen Beitrag empfehlen:

Bei der von vielen empfundenen großen Sorge vor Nordkoreas Atombombenarsenal ist es manchmal überraschend erfrischend, einen Lösungsvorschlag wie diesen zu lesen, der die Kernbegründung westlicher Ängste mit Schmackes vom Tisch wischt: Eine Atommacht Nordkorea könnte nicht nur nicht so gefährlich sein wie befürchtet, sie könnte sogar Teil einer Friedensstrategie sein. Ein kontroverses Argument, das Stephen Nagy analytisch überzeugend vermittelt.

Wer steckt dahinter?

Stephen R Nagy
Kommt aus:Kanada, wohnt in Japan
Politische Position:offiziell unparteiisch
Arbeitet für/als:leitender außerordentlicher Professor an der Internationalen Christlichen Universität, (Abteilung Politics and International Studies), schreibt für The Japan Times
Was Sie noch wissen sollten:Nagy ist Mitglied des Hong Kong Institute of Asia Pacific Studies an der Chinese University of Hong Kong. Seine Forschungsinteressen umfassen internationale Beziehungen Nordostasiens, die chinesisch-japanischen Beziehungen, asiatische regionale Integration sowie Regionalismus in Asien.
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