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Die eigentliche Gefahr stellt die Nordkorea-Politik der USA dar
Die eigentliche Gefahr stellt die Nordkorea-Politik der USA dar
(Foto: Michael Vadon | Wikimedia Commons | CC BY-SA 4.0 )

Das Argument in Kürze:

Sheldon Richman findet: Anstatt sich ständig zu fragen, ob die USA Nordkorea nun vertrauen können, muss man sich fragen, warum Nordkorea den USA vertrauen sollte. Die Vereinigten Staaten haben durch ihre Politik gegen die „Achse des Bösen“ – und damit auch die Erklärung Nordkoreas als Feind – nach dem 11. September 2001 das Vertrauen der Nordkoreaner bitter enttäuscht. Nur deshalb hortet das Regime in Pjöngjang Atomwaffen. Wenn wir wollen, dass sich die Lage wieder entspannt, müssen die USA auf Nordkorea zugehen. Das Zaubermittel sind nicht Waffen oder Sanktionen, sondern Verhandlungen.

George W. Bush ist schuld an der nordkoreanischen Aufrüstungspolitik

Wir schreiben das Jahr 1994: Nordkorea hatte zehn Jahre vorher dem Atomwaffensperrvertrag (Treaty on the Non-Proliferation of Nuclear Weapons) zugestimmt, begannen trotz gegenteiliger Erklärungen mit der Wiederaufarbeitung von Kernbrennstäben und kündigten an aus dem Vertrag wieder auszutreten. Nach schwierigen Verhandlungen kam es durch Clinton zu einem Deal, der für beide Parteien optimal schien: Die USA sicherten zu, Südkorea nicht bei einem Militärschlag gegen Nordkorea zu unterstützen. Im Gegenzug verpflichtete sich Nordkorea wieder dem Abkommen Folge zu leisten, was auch bedeutete internationale Beobachter ins Land zu lassen und von Atomwaffen ernsthaft die Finger zu lassen. ´

Unter der Regierung George W. Bushs änderte sich die Situation dann aber schlagartig. In seiner Rede zur „Achse des Bösen“ im Jahr 2002 bezeichnete der damalige Präsident der Vereinigten Staaten Nordkorea als Teil des globalen „Bösen“, das mit jedem Mittel bekämpft werden müsse. Das Abkommen von 1994 wurde aufgelöst, weil es hieß Nordkorea habe sich nicht an seine Abmachungen gehalten. Die Konsequenz: Nordkorea fühlte sich hintergangen und bitter enttäuscht. Und vor allem fühlten sie sich nicht mehr sicher. Deshalb begannen sie nun ernsthaft atomar aufzurüsten. Jegliche Bemühungen die Wogen im Nachhinein zu glätten, sind seither gescheitert. Auch Russland und China versuchen seither in zähen diplomatischen Verhandlungen, die Scherben aufzukehren, die Bushs aggressive Außenpolitik hinterlassen hat. Wenn überhaupt, findet Richman, könnten sich die USA an die eigene Nase fassen, anstatt nur gegen Nordkorea zu wettern.

Kim Jong-un ist kein Verrückter. Er ist ein Diktator, mit dem man reden kann.

Entgegen vieler Behauptungen ist Kim auch keineswegs völlig unzurechnungsfähig und verrückt. Das Regime in Pjöngjang fährt im Gegenteil eine sehr rationale Strategie, um an der Macht zu bleiben. Kim hat von den US-geführten Kriegen in Afghanistan und Irak gelernt, wie wichtig es ist Atomwaffen zu haben, um sich gegen mögliche US-Interventionen zu schützen. Mit tausenden US-Soldaten unweit der Grenze ist die Angst vor Amerika nachvollziehbar. Und Kim würde so ziemlich alles tun, um nicht einen Krieg mit den USA herauszufordern. Denn er weiß, wie katastrophal das für ihn werden würde.  Deshalb lohnt es sich mit Nordkorea in Verhandlungen einzutreten, findet Richman. Natürlich ist Kim Jong-un ein skrupelloser Tyrann. Aber die USA tun sich ja auch sonst nicht so schwer damit mit brutalen Tyrannen diplomatische Beziehungen zu pflegen. Als Beispiel kann man sich ja einmal anschauen wie al-Sisi und Erdogan von der Trump-Regierung hofiert werden.

Warum wir diesen Artikel empfehlen:

Nordkorea wird in westlichen Medien oft so dargestellt wie die Reinkarnation des Bösen. Man weiß nicht viel über Nordkorea, aber man weiß, dass es ganz grausam ist; man weiß das Kim Jong-un ein Unmensch ist. Diese vermeintliche Gewissheit, die völlig losgelöst ist von historischem Kontext oder außerwestlichen Perspektiven führt in logischer Konsequenz zu einer unnachgiebigen außenpolitischen Haltung. Und damit wird es nicht gerade leichter Frieden zu schließen. Stattdessen wird auf beiden Seiten aufgerüstet. Sich mit Artikeln und Geschichtsnarrativen auseinanderzusetzen, die genau mit dieser Art der Logik brechen, ist einer der Gründe, warum wir The Buzzard machen. Wir glauben Artikel wie dieser können dazu beitragen Brücken zu bauen, wo bisweilen Mauern stehen.

Wer steckt dahinter?

Sheldon Richman
Kommt aus:USA
Politische Position:vertritt libertäre Ideen, beschreibt sich als “Lover of liberty and justice”
Arbeitet für/als:Autor, Senior Fellow an der The Future of Freedom Foundation, ehemaliger Herausgeber von The Freeman, schreibt u.a. für Washington Times, Insight, Cato Policy Report, Journal of Economic Development und the Libertarian Institute
Was Sie noch wissen sollten:The Freeman war eine amerikanische libertäre Zeitschrift, die von der Foundation for Economic Education (FEE) veröffentlicht wurde. Die FEE ist ein 1946 als Stiftung gegründeter libertärer Think-Tank, der sich als „one of the oldest free-market organizations in the United States“ bezeichnet.
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