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China und Nordkorea: Das Ende einer langwährenden Freundschaft?
China und Nordkorea: Das Ende einer langwährenden Freundschaft?
(Foto: PublicDomainPictures | Pixabay | CC0 Public Domain )

Das Argument in Kürze:

Seit mehr als einem halben Jahrhundert pflegen Nordkorea und China eine tiefe Freundschaft, die über politische und ökonomische Gefälligkeiten hinausgeht. Tausende Nordkoreaner arbeiten im chinesischen Grenzgebiet in Restaurants und Fabriken; viele Familien haben Verwandte aus beiden Ländern. Doch seitdem der nordkoreanische Machthaber Kim Jong-un 2006 damit begann Atombombentests unweit der chinesischen Grenze durchzuführen und immer mehr darauf setzt eine ernstzunehmende Atommacht zu werden, ändert sich auch die Beziehung zwischen den langjährigen Verbündeten, berichtet der Journalist Nathan VanderKlippe direkt von der chinesisch-nordkoreanischen Grenze.

Der Grund für die jahrzehntelange Freundschaft liegt im Krieg

Die Freundschaft zwischen China und Nordkorea geht mehr als sechs Jahrzehnte bis auf den Koreakrieg zurück, in den China Ende 1950 eintrat, um den Bitten des damaligen selbsternannten nordkoreanischen Regierungsführers Kim Il-sung (Grovater des heutigen Herrschers Kim Jong-un) nachzukommen und die US-geführten UN-Truppen zurückzuschlagen, die nach dem Angriff Nordkoreas auf Südkorea in den Konflikt eintraten und die nordkoreanische Armee fast bis an die chinesische Grenze zurückdrängten. Bei diesen Kämpfen wurden rund 900.000 Chinesen und 520.000 Nordkoreaner verletzt oder getötet, die Seite an Seite den Vormarsch der UN-Truppen bis zur heutigen Staatsgrenze zurückgeschlagen haben. Diese blutige Geschichte der Waffenbrüder war Auslöser für die tiefe Verbindung und Freundschaft, die 1961 in einem bis heute gültigen Militärbündnis ihre Vollendung fand, das beide Nationen dazu verpflichtet, dem jeweils anderen Staat zu unterstützen, sollte er angegriffen werden.

Kims Atomprogramm stellt die Freundschaft auf die Probe

Diese jahrelang unangefochtene Partnerschaft stehe jetzt allerdings auf der Kippe, so der Auslandsreporter VanderKlippe. Jüngere Chinesen sehen mehr Gemeinsamkeiten mit Südkoreas Musik- und Fernsehkultur als mit ihrem altmodischen und isolierten Nachbarstaat. Die Kriegsveteranen, die bis heute noch im Grenzgebiet wohnen, sterben langsam aus – die alten Blutsbande weichen auf. Hinzu komme die zunehmende Sorge vor den negativen Folgen der Atomwaffentests, die Kim Jong-un nahe der chinesischen Grenze tief unter der Erde vornehmen lässt. Der chinesische Präsident Xi Jinping hat Kim Jong-un seit seinem Amtsantritt im Jahr 2012 noch nie getroffen. Einst florierende Handelsbeziehungen mit Pjöngjang werden mehr und mehr eingefroren: Chinesische Importe von Kohle aus dem Nachbarland sind für das gesamte Jahr 2017 gestoppt – ein herber Schlag für das Kim-Regime, da der Verkauf von Kohle rund 40 Prozent ausländischer Devisen abdeckt. Auch Gold, Eisen, Aluminium und seltene Erden werden nicht mehr aus Nordkorea importiert. Alles ein Druckmittel, um Kim von seiner Aufrüstungsstrategie abzubringen. Die Zeiten einer bedingungslosen Freundschaft zwischen Peking und Pjöngjang sind laut dem Bericht des holländischen Journalisten scheinbar beendet.

Warum wir diesen Beitrag empfehlen:

In diesem langen und detaillierten Augenzeugenbericht von der chinesisch-nordkoreanischen Grenze vermittelt Nathan van der Klippe viele Eindrücke von einer in einem Änderungsprozess befindlichen Region. Unterschiedliche Akteure schildern ihre Sichtweisen – und so erhält man einen Blick hinter die Kulissen einer nach außen hin immer noch hochgehaltenen Freundschaft, die aber immer mehr von innen heraus zu bröckeln beginnt.

Wer steckt dahinter?

Nathan VanderKlippe
Kommt aus:Kanada
Politische Position:offiziell unparteiisch
Arbeitet für/als:Asien-Korrespondent für The Globe and Mail
Was Sie noch wissen sollten:Mit einer wöchentlichen Auflage von zwei Millionen Exemplaren ist The Globe and Mail Kanadas zweitgrößte Tageszeitung. Politisch gesehen wird sie oft als “zentristisch” bezeichnet.
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